Vogelbeobachters Tagebuch - 2.05

Vogelbeobachter: Margus Ots, Linnuvaatleja.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Felis silvestris
 
Am Morgen überprüfte ich die besten Vogelplätze auf der südlichen Seite der Matsalubucht, aber es waren keine besonderen Vögel zu sehen. Ich hatte nun die Wahl nach Norden in die Gegend von Haapsalu zu fahren, oder das Meer nach Saaremaa zu überqueren. Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit, es wäre nützlich, die "Wacholderwäldchen-Raritäten" von West-Saaremaa aufzuscheuchen. Als ich bereits Kuressaare erreicht hatte, kam die Informationen, dass gestern in Karksi in Mulgimaa ein Pelikan gesehen wurde. Ein Pelikan war auch wirklich auf den beigefügten Fotos, um genau zu sein, ein Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus), und der Pelikan saß in einem Weißstorchnest! Und was hat er dort gemacht? Ich rief den Finder des Vogels an und es stellte sich heraus, dass der Vogel den ganzen Tag bis zum Abend in der Gegend umhergewandert war. Diesen Morgen wurde er nicht gesehen, aber es hatte auch niemand nach ihm gesucht. Daraufhin kehrte ich um und machte mich auf den Weg nach Karksi. Dort startete auch sofort eine Suche nach dem Vogel, zuerst mussten die nahegelegenen Gewässer überprüft werden. Eigentlich hatte ich Karksi bereits letzten Abend passiert, aber da wusste ich noch nichts über den Vogel. Wenn ich da den Pelikan im Weißstorchnest gesehen hätte, ich hätte den Anblick wohl für das Ergebnis einer zu langen Walpurgisnacht gehalten.
 
Rosapelikan (02.05.2012, nahe Karksi)
 

Auf dem Weg musste ich den Pelikan mehreren Medien erklären, zusätzlich fragten viele Vogelbeobachter die ganze Zeit über nach zusätzlichen Informationen. Immerhin eine aufregende Entdeckung, das letzte Mal, dass ein Rosapelikan in Estland gesehen wurde, war 1963. Nicht ein einziger der gegenwärtigen Generation von Vogelbeobachtern hat deshalb diese Art auf ihren estnischen Listen. Auf dem Weg hatte ich Zeit nachzudenken, wo es sich lohnen könnte, nach dem Vogel zu suchen?  Zusätzlich zu Fisch soll der Pelikan alles fressen, was er überwältigen und schlucken kann. Im Web gibt es einige Videoclips in denen ein Pelikan eine Ente oder Taube verschlingt. Ich habe die europäische Art nicht gesehen, aber zum Beispiel suchen australische Pelikane, wie Möwen, auf Müllkippen nach Futter. Vielleicht hat er in dem Storchennest in Karksi Eier geräubert? Als ich mich endlich Karksi näherte, hatte ich die Idee, dass der Vogel vielleicht auf einer Wiese oder einem Feld zusammen mit den Störchen Frösche jagte? Kurz vor Karksi erhaschte ich zwischen Bäumen einen flüchtigen Blick auf Störche weit weg auf einem gepflügten Feld. Ich entschied mich, hinzugehen und zu prüfen, nur für den Fall, und zu meiner großen Überraschung kauerte der Pelikan im gleichen Feld.


Der Pelikan war nicht besonders mutig, an den Beinen waren keine Ringe zu sehen, vielleicht hat er sich wirklich von allein hierher verirrt (02.05.2012, nahe Karksi)
 
Offensichtlich haben wir es mit einem jungen Vogel zu tun (2. Kalenderjahr) und es ist offenbar der gleiche Vogel, der vor einem Monat in Lettland gesehen wurde. Der Vogel war nicht besonders mutig, bei Annäherung flog er ein Stückchen weiter. Es konnten keine Ringe an den Beinen gesehen werden. Alles deutet darauf hin, dass der Vogel sich auf natürliche Weise hierher verirrt hat, d. h. er nicht aus einer Voliere entkommen ist. Informationen über den neuen Standort wurde sofort von Rariliini verbreitet und vor Einbruch der Dunkelheit gelang es mehreren Twitchern den Vogel zu sehen. Sogar aus Haapsalu gelang es Leuten rechtzeitig anzukommen. Morgen sollten Gruppen aus Tallinn und Finnland Karksi erreichen.

Zusätzlich zum Rosapelikan habe ich eine weitere Art auf meine Jahresliste bekommen - während eines Halts in einem Wald, irgendwo in der Nähe von Tihemetsa, sang eine Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) neben dem Auto. Meine 2012er Liste umfasst nun 208 Vogelarten.



 

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