Vogelbeobachters Tagebuch — 9. und 10.5.12

Vogelbeobachter: Margus Otslinnuvaatleja.ee
Foto: Arne Ader
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia
 
Türkentauben.
 
9. Mai
Weil das morgendliche Wetter am Kap Põõsaspea für die Beobachtung des Vogelzugs nicht günstig war, konnte ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder richtig ausschlafen, und am Nachmittag machte ich mich auf zu einer Tour. Ich suchte die Vogelbeobachtungspunkte von Haapsalu ab, aber es tauchte nichts besonders auf. Aber ich habe doch noch zwei neue Arten für meine Jahresliste gefunden, bei Rõude riefen eine Türkentaube (Streptopelia decaocto) und ein Gelbspötter (Hippolais icterina). Meine 2012er Liste enthält nun 227 Vogelarten.
 
Spät am Abend war ich bereits auf Hiiumaa. Das Estbirding Jahrestreffen und eine beeindruckende Vogelbeobachtung auf Ristna nina werden am Wochenende dort stattfinden. Wenn dann eine große Ornithologen-Bande auf die Insel losgelassen wird, werden hoffentlich auch einige Seltenheiten gefunden werden.
 
Ziehende Trauerenten. Puhtu.
 
10. Mai
Am Morgen waren wir bereits um 5 Uhr auf Ristna nina zur Beobachtung. Es stellte sich heraus, dass wir zu ehrgeizig waren. Weil das Wetter bewölkt war, war es noch viel zu dunkel. Aber gegen 6 Uhr begann rege Bewegung und im Verlauf weniger Stunden passierten tausende von Trauerenten (Melanitta nigra) und Eisenten (Clangula hyemalis), und außerdem auch eine kleinere Anzahl anderer Wasservögel Ristna nina auf ihrem Weg nach Norden. Unter den aufregenderen Funden von Ristna nina waren am Morgen 6 Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus), 7 Gryllteisten (Cepphus grylle), 6 Tordalken (Alca torda) und 3 Trottellummen (Uria aalge). Die Trollellumme ist eine neue Art auf meiner Jahresliste.
 
Im Laufe des Tages zogen wir auf der Halbinsel Kõpu herum. An verschiedenen Stellen waren auf dem Zug gelandete Grasmücken, Schmätzer und Schnäpper zu sehen. Im Ort Kõpu fand ich einen Grauschnäpper (Muscicapa striata) als neue Art für meine Jahresliste.
 
Die Planung sah für den Nachmittag vor, zur Vogelbeobachtung auf Ristna nina zu bleiben, aber die gesamte Halbinsel war von dichtem Nebel bedeckt und zunächst war nichts zu beobachten. Aber genau um 18.00 Uhr verzog sich der Nebel und schlagartig begann ein großes Treiben auf der See. Im Verlauf weniger Stunden waren zehntausende durchziehender Wasservögel zu sehen. Die häufigste Art waren Trauerenten (Melanitta nigra) und Eisenten (Clangula hyemalis); 68.000 beziehungsweise 14.600 Individuen jener Arten zogen am Morgen und am Abend. An neuer Art für meine Jahresliste fand ich am Abend bei Rista nina eine Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica); meine 2012er Jahresliste umfasst jetzt 230 Vogelarten.
 
Ziehende Eisenten. Puhtu


 

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