Vogelbeobachters Tagebuch - 18 - 19.05 und 20.05

Vogelbeobachter Margus Ots, Linnuvaatleja.ee
Fotos: Arne Ader
Übersetzung ins Englische: Liis
Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Felis silvestris
 
Prachttaucher

 
18. Mai
Obwohl ich schrecklich müde war, stand ich früh auf und war um 5.30 am Virtsu-Leuchtturm um zu beobachten. Ich hätte mindestens eine halbe Stunde früher dort sein sollen, denn der Himmel war bereits voll mit Vögeln. Weißwangengänse, Trauerenten, Eisenten und Seetaucher flogen in mehreren Schichten und alleine war es unmöglich, alle überfliegenden Vögel "von Angesicht zu Angesicht" zu prüfen. Während drei Stunden habe ich mehr als 10000 Weißwangengänse (Nonnengänse) (Branta leucopsis) gezählt, alle aus der Richtung Saaremaa kommend und Richtung Nord-Ost ziehend. Es war interessant die Aktivitäten der Schmarotzerraubmöwen  (Stercorarius parasiticus) zu beobachten. Mindestens 6 Vögel waren vor Ort und belästigten Seeschwalben und Möwen, um sie ihrer Beute an Fisch zu berauben. Zusätzlich passierten mindestens 26 Schmarotzeraubmöwen auf dem Zug. Seetaucher bewegten sich auch schön, (Prachttaucher (Gavia arctica) und Sterntaucher (Gavia stellata)), es gelang mir 528 von ihnen zu zählen. Unter den Seetauchern fand ich auch die heutige Rarität. Einen Schwarm Trauerenten mit dem Teleskop observierend, kam plötzlich ein großer Seetaucher ins Blickfeld, mit einem hellen Kragen an seinem dunklen Hals; der große und weiße Schnabel fiel besonders ins Auge. Es war sofort klar, dass ich es mit einem Gelbschnabeltaucher (Gavia adamsii) zu tun hatte, einem hier seltenen, durchziehenden Zugvogel. Ich folgte ihm mit dem Teleskop bis der Vogel weit im Norden verschwand. Nach dem Pech gestern hatte eine leichte Twitcher-Depression eingesetzt, aber jetzt war ich wieder voller Energie und bereit für neue Reisen. Der Gelbschnabeltaucher war die 247. Vogelart  auf meiner 2012er Jahresliste.
 

Bergenten
Am Abend erreichte ich endlich Kap Põõsaspea, wo ich mich einer größere Gruppe anschloss, um die Migration zu beobachten. Ein paar Stunden vor Sonnenuntergang begannen Schwärme von 
Bergenten (Aythya marila) vorüberzufliegen und die Hoffnung wuchs, es würde wieder ein guter Zug-Abend werden, aber leider wurde daraus nichts. Wir zählten etwa 5200 Bergenten, hätten aber eine weitaus höhere Anzahl erwartet.
 
Feldschwirl
 

19. Mai - 250. Vogelarten erreicht!
Am Morgen blieb ich ein für ein paar Stunden am Kap Põõsaspea um zu beobachten. Obwohl vergleichsweise viele Seetaucher unterwegs waren (etwa 700), waren keine besonders interessanten Geschöpfe zu sehen. Nur ein paar hundert Wasservögel zogen. Danach beschloss ich, langsam Richtung Süden zu fahren und nach Greifvögeln auf der Straße Ausschau zu halten. Die erste neue Art für den Tag bekam ich auf der Dorfwiese in Rooslepa, wo ein Feldschwirl (Locustella naevia) zirpte. Auf der Wiese im Dorf Kastja bekam ich endlich den Wachtelkönig (Crex crex) gelistet. Der Vogel ist bereits seit einigen Wochen hier, aber da ich für längere Zeit in Ristna und anderswo an der westlichen Küste war, wo diese Art nicht gehört wird, habe ich den Wachtelkönig erst jetzt notiert.
Auf dem Gebiet der Gemeinde Märjamaa fiel mir ein Schreiadler ins Auge: er hatte breitere Flügel als ein Schreiadler (Aquila pomarina), die 7. "Handschwingenfeder" war deutlich erkennbar und die Flügeldecke dunkel und nicht hell, wie beim Schreiadler. Andere Details im Flügelmuster deuteten auch darauf hin, dass entsprechend der Charakteristika meinem Wissen zufolge, dieses Geschöpf als Schelladler (Aquila clanga) identifiziert werden kann. Es sei denn, es war ein Schreiadler-Hybride, die bedauerlicherweise hier auftreten, aber nicht immer von einem reinen Individuum nur anhand der Anzeichen des Gefieders unterschieden werden können. Der Schelladler war die 250. Vogelart auf meiner 2012er Artenliste.
Am Abend war ich bereits auf dem Weg zu den Piklateichen an der südwestlichen Küste, wo gestern Abend Berichten zufolge eine Zwergdommel (Ixobrychus minutus) gesehen wurde. Weil die verfügbare Information etwas durcheinander war, wusste ich nicht, was ich von der Beobachtung zu halten hatte. Nach den Informationen bei der Raritäten-Kommission wurde die Zwergdommel in Estland bisher nur 13 mal gesehen und das letzte Mal war 1992. Gestern am späten Abend wurde die ganze Gegend sorgfältig abgesucht, aber die Zwergdommel wurde nicht wieder gefunden. Wir haben es mit einem Vogel mit einer heimlichen Lebensweise zu tun, den zu sehen nur selten gelingt, stattdessen kann man das charakteristische "bellen" hören. Aber die Finder des Vogels waren zufällig auch an diesen Abend an der selben Stelle und einige Fragen wurden zum Fund gestellt. Es stellte sich heraus, dass der Vogel auf der Flucht vor dem Beobachtungsturm aufgeflogen war und ein Stück weiter in ein Riedbüschel geflogen war. Etwa zehn Minuten später war der Vogel erneut über Teleskopsuche gefunden worden, war aber seither nicht mehr gesehen worden. Basierend auf die Konversation und Beschreibung scheint es wirklich eine Zwergdommel gewesen zu sein. Ich selbst habe einige Stunden nach dem Vogel gesucht, aber ich hatte wenig Hoffnung ihn zu finden, weil die Schilfröhrichte in Pikla einige Quadratkilometer groß sind: man findet keine Nadel im Heuhaufen. Es war auch kein Ruf zu hören, obwohl wir einige Zeit versuchten, sie zu locken.
Die letzte Art des Tages fand ich spät am Abend im Dorf Häädemeeste, wo ein Schlagschwirl (Locustella fluviatilis) sang. Meine 2012er Jahresliste hat nun 251 Vogelarten.
 
Sumpfrohrsänger

20. Mai
Der ursprüngliche Plan war, am frühen Morgen noch einmal nach Pihkva zu fahren, aber die extrem langen Tage der letzten Woche haben ihr Werk getan und der Wecker blieb ungehört. Der längere Schlaf  wurde jetzt wirklich gebraucht. Am Mittag suchte ich für ein paar Stunden in Pikla, aber viel war nicht zu sehen. Eine Kuhherde, die sich um ein Auto drängelte, war viel interessanter. Einige Spaßvögel hatten ihr Auto auf einer Kuhweide geparkt und etwa zehn Kühe wuschen die Fenster mit ihren Zungen schön "sauber" und das Auto wurde von anderen Flüssigkeiten getroffen und wenig Flüssigkeiten zählen hier und da auch. Einige versuchten die Stärke der Spiegel und des Metalls mit ihren Hörnern zu testen. Es erinnerte alles sehr an den Kusturica-Film "Schwarze Katze, weißer Kater", wo ein Schwein einen Trabant verschlingt. Glücklicherweise wurden die Dinge nicht so drastisch und nach einigem Waschen sollte das Auto sein ursprüngliches Aussehen zurück haben.

Da ich mich zu Beginn der Woche für einige Tage um geschäftliche Angelegenheiten in Tartu zu kümmern habe, steuerte ich zum ersten mal in einer langen Zeit nach Hause. In den Timmkanali und Laiksaare Wäldern hielt ich ein paar Mal an und als einzige neue Art für den Tag bekam ich den Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris). Meine 2012er Liste hat nun 252 Vogelarten.
Am Abend machte ich einen längeren Halt am Valguta Polder, wo die große Anzahl an Kormoranen (Phalacrocorax carbo) auffällig war. zusammen mit Hannes Margusson, den ich zufällig am Polder traf, schätzten wir die Zahl der Kormorane auf ungefähr 250, aber am Abend konnten bereits auf mehr als 300 gezählt werden. Unter den interessanteren Geschöpfen konnten 3 Weißflügelseeschwalben (Chlidonias leucopterus) und 15 Silberreiher (Egretta alba) gesehen werden.



 

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