Vogelbeobachters Tagebuch - 21.05

Vogelbeobachter Margus Ots, Linnuvaatleja.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Felis silvestris 
 

21. Mai
Am Morgen kam eine Nachricht von Rariliin (Birdline), dass im Ardlapolder eineMoorente(Aythya nyroca) vor Ort war, aber die Identifikation war nicht ganz eindeutig. Ich fuhr für alle Fälle hin um nachzusehen, aber trotz einer umfassenden Suche wurde der Vogel nicht mehr gefunden. Der Polder war generell ziemlich leer, aber der morgendliche Trip war trotzdem nicht ganz umsonst, weil es mir gelang, einen Rotfußfalken  (Falco vespertinus) zu sehen. Dieses Geschöpf war die  253. Vogelart auf meiner 2012er Jahresliste. Während des Tages bekam die Vogelraritäten-Kommission die Information, dass in Valgamaa vor ein paar Tagen ein Rotkopfwürger (Lanius senator) gesehen wurde. Da ich geplant hatte, am Abend zum Valgutapolder an der südöstlichen Küste des Võrtsjärv Sees zu fahren, machten wir einen etwas längeren Umweg und durchsuchten, nur für den Fall, die Umgebung des Fundorts des Rotkopfwürgers. Natürlich fanden wir das gesuchte Geschöpf nicht. Die seltenen Würger sind generell schwierig zu twitchen, weil sie selten an einem Ort bleiben, aber es war den Versuch wert.  

 
Typischer Silberreiher-Sucher-Blick  (21.05.2012 Valguta Polder)
 
Am Abend schauten wir uns für einige Stunden am Valgutapolder um. Es waren ziemlich viele Vögel in der Gegend, aber niemand besonderes weckte unser Interesse. Für eine Weile beobachteten wir die Silberrreiher (Egretta alba); bis zu 30 wurden dieses Frühjahr gesehen. Sie sind besonders gern im Unterholz zwischen dem Polder und dem See. Bereits früher hatte es so ausgesehen, als ob sie drauf und dran wären, dort zu nisten. Nach einem langen Streit zog der Jüngste der Gesellschaft (Rarileidja 2011 / Birdfinder 2011) Fischergummistiefel an, und wurde in das dichte Unterholz geschickt, um in das tiefe Wasser zu waten. Nach einer halben Stunde Geknacke und Gekrache hörte man einen triumphierenden Schrei - das erste Silberreihernest war gefunden. Weil das Wasser im Dickicht zu tief war, Bewegung extrem schwierig und Dunkelheit einzusetzen begonnen hatte, unternahmen wir dieses Mal keine große Suche. Es schien, dass wir es mit einer etwas größeren Kolonie zu tun haben, in der sogar mehr als zehn Paare nisten könnten. Wenn das Wasser im Sommer etwas zurück geht, und bereits Küken in den Nestern sind, kann die Anzahl der nistenden Paare vielleicht etwas genauer bestimmt werden. Wir haben hier den zweiten bestätigten Nistplatz von Silberreihern in Estland. In der Nähe von Ilmatsalu in Tartumaa haben Silberreiher bereits seit einigen Jahren genistet. Die Ehre der Bestätigung des neuen Nistplatzes sollte von Rechts wegen zur Hälfte auch mir gehören, weil 1) die geliehenen Stiefel gehören mir 2) habe ich die Richtung vom Uferdamm aus gewiesen (mit einem hochmütigen Gesichtsausdruck natürlich - den der Sucher glücklicherweise nicht sehen konnte) und 3) "motivierende" Schreie wurden ins Unterholz gebrüllt. Als Antwort auf letzteres konnten hauptsächlich alle Arten von Grunzern gehört werden, aber es gab auch einen Vorteil davon, denn als der Sucher endlich wieder auftauchte, sah er sehr glücklich aus (immerhin dem Ertrinken entronnen). Ob das alles genauso wie beschrieben passiert ist, ist nicht wirklich wichtig. Das wichtigste ist, dass das Nisten der Silberreiher in der Gegend jetzt bestätigt worden ist.


 

EST EN DE ES RU  FORUM

       

Die Woche im Bild

Nachrichtenarchive