Vogelbeobachters Tagebuch — 5.-6.6.12

Vogelbeobachter: Margus Otslinnuvaatleja.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia
 
Am Dienstag morgen war ich am Valguta-Polder, als eine Nachricht eintraf, dass der Rotmilan (Milvus milvus), der bei Sõrve säär am Vortag gesehen worden war, wieder gesichtet wurde. Zunächst beeilte ich mich nicht, weil es nicht möglich ist, einen Vogel zu erwischen, der durchzieht. Aber als eine Wiederholungs-Meldung kam, die besagte, dass der Vogel ziemlich beständig zu sein und nicht die Absicht zu haben scheine, nach Lettland weiter zu fliegen, wendete ich das Auto Richtung Saaremaa und machte mich auf zu einer längeren Twitcher-Tour. Falls ich nicht erfolgreich sein würde, ihn zu erwischen, was sehr wahrscheinlich war, konnte ich zumindest die Pläne für die Herbstsaison in der Vogelstations-Sauna diskutieren. Auf halbem Wege kam eine Wiederholungs-Nachricht, dass der Vogel sich wie zuvor bei der Vogelstation herumtreibe und es schien, als ob es möglich sein werde, diese Seltenheit zu sehen. Aber nach der Ankunft vor Ort stellte sich heraus, dass das gesuchte Geschöpf zuletzt zwei Stunden zuvor gesehen worden war. Obwohl etwa zehn Vogelbeobachter in der Station waren, die alle die Umgebung mehr oder weniger intensiv beobachtet hatten, wurde der Milan nicht mehr gefunden.
 
Rotmilan (6.6.2012 Sõrve säär)
 
Nachdem an der Vogelfront alles ruhig war, beobachtete ich statt dessen am frühen Mittwochmorgen den Vorbeizug der Venus vor der Sonne. Dieses Phänomen wird bis 2117 nicht wieder zu sehen sein, bis dahin kann ich nicht warten. Nachdem Venus abgehakt war, begannen wir mit der Suche nach Greifvögeln. Die nähere Umgebung wurde sorgfältig abgesucht, aber keine Spur des Rotmilans. Wir schauten auch nach möglichen Nahrungsplätzen. Einige Tage zuvor hatten Wölfe in der Nähe von Sõrve säär eine Herde Schafe getötet. Die gerissenen Tiere wurden an die Küste gebracht als Futter für Adler. Weil der Milan sich im selben Gebiet bewegte, konnte man gut annehmen, dass dieser Aasfresser soviel Lammkoteletts gehabt hatte, dass er sich nicht mal mehr bewegen könne und geschützt in einem Busch säße. Aber gerade als wir wieder im Garten der Vogelstation zusammengekommen waren und unsere Suche beendet hatten, kam eine Meldung, dass ein milanähnlicher Vogel sich von Norden her nähere. Einige Augenblicke später erschien er in unserem Sichtfeld und es war der Rotmilan! Der Vogel flog an der Vogelstation vorbei und verschwand wieder. Ich erwischte einige verschwomme Fotos aus der Ferne; eine anständiges Paradefoto des Vogel steht in der Estbirding Gallerie. Der Information der Raritätenkommission zufolge wurde der Rotmilan in Estland etwa 40 Mal gesehen. Obwohl er regelmäßig auf Saaremaa gesichtet wird, war bislang keiner erfolgreich, diese Art zu twitchen. Der Rotmilan ist die 262. Vogelart auf meiner 2012er Liste. Nach dem Sichten des Vogels, dem Besuch der Sauna und der Diskussion der Herbstpläne wendete ich mich zurück zum Festland.


 

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