Gartenwerklers Tagebuch – Mai. II

Text und Fotos von: Tiit Kändlerteadus.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia
 
Brüssel
 
23. Mai
Der Werkler geht nur einen kleinen Block weit vom Brüsseler Euro-Viertel weg und wo immer er hingeht gibt es Parks. Der Stadt-Park ist im Grunde genommen der Garten der Stadt, nicht wahr? Die Brüsseler Werkler wissen genau, dass in Parks kleine Ecken sein sollten, die unsere Park-Gestalter Gestrüpp nennen würden. Wildes Gesträuch neben Bäumen, Flecke, auf denen wächst, was wachsen will. In Dankbarkeit für diese Gartenhof-Weisheit hallt auch der innerste städtische Bereich Brüssels von Vogelgesang wieder. Und es gibt noch dazu in den Brüsseler Parks seit einigen Jahren den Brauch, in zumindest einem kleinen Bereich die Pflanzen zu haben, die Gartenleute üblicherweise Unkraut nennen. Nesseln, Disteln, Löwenzahn, Zackenschötchen [Rakvere raibe=Rakvere Aas]. Interessant – wie hieße das Rakveres Aas in Französisch oder Flämisch? Amsterdamer Abscheu? Pariser Pest?
 
29. Mai
Der Frühling kommt in jeden Garten, mag das Wetter im kühlen oder im wärmeren Bereich liegen. Aber nicht alle Gärten sind gleich. Der Werkler liest in den Wissenschaftsnachrichten, dass die Archäologen der Universität Bristol eine bedeutende Entdeckung gemacht haben. Vererbte Ungleichheit begann in der Steinzeit vor 7000 Jahren. Bauern, die mit ihren Werkzeugen begraben wurden, besaßen besseren Grund als die, die einfach nur begraben wurden ohne irgendetwas. Die Forscher untersuchten die in den Knochen erhaltene Strontiumisotopen-Zusammensetzung und stellten fest, dass Männer, denen Äxte zum Bäumefällen beigegeben wurden, weniger differenzierte Isotopen besaßen, was bedeutete, dass sie auf fruchtbarem Lössboden lebten. Hmmm. Welche Schlüsse sind aus dieser Nachricht zu ziehen? Der Werkler grübelt, ob er irgendwelche zum Bäumefällen geeignete Äxte besäße. Ja, hat er, und sogar aus verschiedenen Epochen – die russische Axt und die Fiskars Axt. Nun muss er noch eine Steinaxt kaufen. Interessant: wann werden die Werkzeugläden eine besondere Preisaktion für Steinbeile bieten? Das muss man auf Tontafeln prüfen.
 

 
Wissenschaftliches Kabarett: Sprache und die Stimme der Wisenschaft
 
Achtung! Veranstaltungsort geändert!
 
Donnerstag, 31. Mai um 19.00 Uhr, Teatri Puhvet, Tallinn, Teatri väljak 3.
 
Das Wissenschaftliche Kabarett wird nicht in den gewohnten Räumlichkeiten stattfinden, sondern in den Räumen der Universität Tartu auf der zweiten Etage, Einlass 30 m rechts von der Türr zum Theater-Buffet; Hinweise an beiden Türen. Getränke und Speisen sind wie sonst zu erhalten.
 
Das letzte Wissenschaftliche Kabarett der Saison erkundet, wie Wissenschaft aussagekräftiger und lauter werden kann. Gestützt auf ihre eigene Erfahrungen werden Wissenschafts-Popularisierer darüber erzählen. Priit Ennet über Wissenschaft im Äther, Arko Olesk und Tiit Kändler über Wissenschaft auf Papier, Martin Vällik über Wissenschaft in Pseudo-Sprachen. Dichtung und Musik Glitzerkatze. Schauspieler, Regisseur, Musiker Tõnu Tepandi stellt seine Theorien und Erfahrungen zur menschlichen Stimme vor: „Im Anfang war die Stimme”.


 

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