Garten-Werklers Jahr

Gartenwerklers Tagebuch

Verfasst und illustriert von Tiit Kändlerwww.teadus.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia
 
 
Das einzigartige Dickicht
 
Heute, am Morgen des 30. Mai, fiel der Garten plötzlich in Nachdenklichkeit. Vielleicht hatte der Garten ebenfalls erkannt, dass die schreckliche Hitze, gefolgt von beißender Kälte keine würdevolle Verhaltensweise war. Der Werkler ging daraufhin hinaus in den Garten. Eine lange Zeit hörte man wieder Vogelgesang, und, siehe da – eine Nachtigall schlug irgendwo im an den Ufern der Treppioja wachsenden Vogelkirschendickicht.
 
Dickicht, Gebüsch, „võsa”, hat sich irgendwie in Estland zu etwas Schlechtem und Widerwärtigem gewandelt, ein Synonym für Schlamperei und mangelhafte Pflege. Aber ein Gebüsch ist für einen Garten wichtig, ganz so wie eine Kapuze oder ein weiter Mantel, womit man den Kopf verbergen und schützen kann, für einen Menschen. Dinge geschehen im Gebüsch, nicht im Freien!
 
Im Gebüsch leben Vögel und bewegen sich Tiere. Man kann seine Pläne und Träume ins Dickicht führen. Und kommt man daraus hervor, können sie ordentlich umgesetzt oder vergessen werden.
 
In estnischen Parks hat in letzter Zeit ein erbitterter Kampf gegen Gebüsche stattgefunden. Kein Wunder also, dass Vogelgesang in den Städten immer weniger wird. In Brüssel gibt es im Gegensatz dazu zum Beispiel einen kleinen Park in jeweils geringer Distanz, große natürlich ebenfalls, aber die kleinen sind besonders eindrucksvoll. Üblicherweise von einem Maschendrahtzaun eingefasst und über Nacht versperrt. Aber so ein kleiner Park hat eine wunderbare Wirkung. Hier kann man sich sofort vom Stadtverkehr abgeschieden fühlen, sich auf den Rasen legen oder auf einer Bank sitzen, von denen es genug gibt, sowohl im Schatten als auch in der Sonne. Eine große Zahl an Sträuchern, gut gepflegt, unterstützt dies.
 
Sogar der Botanische Garten von Brüssel, welcher etwa die gleiche Größe hat wie der Botanische Garten von Tartu und an einer Seite durch eine Autobahn eingezwängt wird und niedriger als diese liegt, und sogar von einer kleinen Straße durchschnitten wird, und umgeben ist von hoch aufragenden Gebäuden, ist wie ein Geschenk der Natur hier in der Rastlosigkeit einer großen Stadt. Alles Dank der Gebüsche. In Hamburg gibt es einen gleichartigen Garten. Direkt im Zentrum der Stadt.
 
Vögel singen und Leute ruhen. Zur Tagesmitte und unter Tags, und  Seite an Seite mit Spitzenverkehr.
 
So ein Gebüsch hebt tatsächlich die Laune. Aber ein von Dickicht überwuchertes Feld bedeutet nichts anderes als einen zukünftig hochwachsenden Wald.
 
Der Werkler ist froh, dass er durch sein Nachdenken geschafft hat, etwas seinem „Õueonu päevaraamat – Gartenwerklers Tagebuch“ hinzuzufügen, welches die Gartenliebhaber in den Apollo und Rahva Raamat Buchläden finden können. Irgendwo, im Bücherdickicht.


 

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