Die Geschichte der Woche

Wochengeschichte (Kristel Vilbaste).

Dritte Februarwoche: Luchse in moderner Zeit

Verfasst von Kristel Vilbasteloodusenaine@hot.ee
Fotos: Arne Ader
 
Varangu-Quellen - Beginn des Flusses Preedi
 
Naturfotografen haben unseren Flaggenfarben eine neue Bedeutung gegeben. Bis jetzt kannten wir  blau als Farbe des Himmels, schwarz wie der Boden, und weiß als Hoffnung auf eine besseres Zukunft, aber jetzt verbreitet sich ein Bild im Internet, auf dem unter dem blauen Himmel eine schwarze Wand aus Wald am Horizont ist und im Vordergrund ein weißes Schneefeld.
 
Die vier Wetterzeichen der Woche:
Stare am Futterhäuschen,
Umarmungen der Kamera-Adler,
Schwellen der Pappelknospen
und klirrende Kälte.
 
Der seinem Ende zugehende Winter kam für einen Moment zurück und warf eine Handvoll Kältegrade aus. So klirrend, dass in Setomaa die Quecksilbersäule im Thermometer auf unter 20 Grad Kälte fiel. Es ist wahr, an der Küste hält sich noch die Herbstwärme, die im vergangenen Jahr im Meer deponiert wurde. Da die Ostsee noch offen ist und kleine Wolkenfetzen in unseren blauen Himmel gebiert. Über dem Festland vereinen sich diese spärlichen Fetzen zu einem dichten Wolken-Teppich, dass kein Sonnenstrahl mehr hindurchdringen kann. Und nicht konnte: den ganzen Februar hindurch. Der meteorologischen Station zufolge hatten wir nur 36 Stunden Sonnenschein während des Kerzenmonats. Daher waren wir nicht in der Lage, die Looduskalender.ee-Robbenkamera richtig zu sehen, weil uns dieses Bild mit Unterstützung von Sonnenkollektoren erreicht. Trotzdem lieferte die winzige Menge an Energie, die die Bildübertragung unterstützt, jeden Morgen die Wanderung der Kegelrobben-Mutter und des Jungen am Rande des Eises. Lasst uns hoffen, dass es nach dem Vollmond mehr Sonne und Wärme geben wird, und dass wir das Leben all der anderen Robbenjungen auch sehen werden. Die Nestkamera der Seeadler bot allerdings einen recht überraschenden Anblick; während wir vor einiger Zeit die Seeadlerfamilie beim Ordnen ihres Nestes bewunderten, starteten sie diese Woche mit der Anlage einer neuen Generation, und Wetterfachmann Gennadi Skromnov zeigte Hoffnung, dass rund um den Frauentag das erste Ei im Nest auftauchen könne. Es scheint ein wenig früh, wenn man das klirrend kalte Wetter betrachtet, aber es gab früher Jahre, in denen das Adlerweibchen im Nest brütete mit einer Schicht Schnee auf dem Rücken.
 
Die ersten Schneeammer-Schwärme ziehen durch Estland
 
Des Stars geriffelte Rückseite
Den Frühling kann man auch bei anderen Vögeln feststellen. Die überwinternden Amseln lassen ihre ersten Liedtriller hören, bei den Futterhäuschen Pärnus tauchten plötzlich die ersten Stare auf. Vogelkundler berichten von der Ankunft der ersten Gänse, auch die Bussarde beginnen zurückzukehren. Und des Spechtes Trommel schweigt nicht mehr, die Kohlmeisen singen aus voller Kehle, die Blaumeisten lassen ihren „Erbsen-Pfiff“ hören. In Tartu tauchten von irgendwo her überwinternde Wacholderdrosseln auf, Zweig für Zweig durchkämmen sie die Mehlbeeren, aber diese sind bereits so leer, wie Beeren nur leer sein können. Die Saatkrähen sind bereits zu Paaren bei den Nestern, offenbar sind es noch überwinternde Vögel, und die Dohlen haben die ersten Nestzweiglein im Schnabel. Die Elsternfamilie sitzt die ganze Zeit beim Nest oder darin. Und es bricht ein schrecklicher Krieg aus, wenn eine dritte Elster hinzu kommt.
 
Hühnerhaltung
Das Auftauchen der Rebhühner im Garten kam für die Elstern völlig überraschend. Wieder und wieder trippeln sie über den von Schneewehen bedeckten Rasen, und wenn die Bande entscheidet, sich gemeinsam im Schnee unter dem Elsternnest in der Sonnenwärme niederzulassen, und ihren Mittagsschlummer dort zu halten, dann gibt es Schwierigkeiten. Die Elstern keckern verärgert auf den unteren Ästen, und versuchen, sich größer als die Rebhühner zu machen, indem sie ihr Gefieder aufplustern. Die Rebhühner jedoch haben diesen Bereich so ernsthaft als ihren eigenen eingenommen, und wenn es am Morgen keinen Haferflockenhaufen auf dem Balkon gibt, kommen sie und klopfen unzufrieden an die Küchentür. Glücklicherweise haben die Rebhühner seit einiger Zeit auch den kleinen Beutel mit deutscher Vogelfuttermischung entdeckt, der von anderen Vögeln verschmäht auf meiner Nachbarin Balkon hängt und nun machen sie, wie Galeristin Tiia Karelson erwähnt, auch einen morgendlichen Futterausflug auf ihren Balkon. Hoffen wir, dass die Menschen am Ort nicht beginnen, uns zu beschuldigen, die Vorschriften zur Hühnerhaltung zu durchbrechen.
 
Der Winter war reich an Zapfen. Eichhörnchen
 
In den Knospen bricht der Frühling aus
Grashalme haben begonnen den Schnee ernsthaft zu hassen, Bäume haben ebenfalls tiefe Sonnenlöcher auf der Südseite. Der Frühling ist nicht mehr hinter den Bergen, die aus den Traufen triefende Tageswärme des Vorfrühlings und die nächtliche Kälte sind deutliche Anzeichen des Frühlings, und sicherlich bringt uns der Vollmond am Montag einen richtigen Wetterumschwung, die Wetterstation verspricht auch ordentliche Plusgrade und das Tauen des Schnees. Eschenknospen schwellen und Erlenkätzchen ziehen sich ohnehin länger und länger, unabhängig von nächtlichem Frost. Gerade so, wie es aus der Unterseite der eingekellerten Kartoffeln heraussprießt und grüne Zwiebelhaare im Zwiebelnetzt erscheinen. Frühling, was sonst!
 
Luchstageslager aus Plastikfolien
Wölfe trotten bereits zu Paaren, ebenso die Füchse. Aber Luchse haben ganz neue Gewohnheiten, während sie sich nach einer erfolgreichen Rehjagd in früheren Zeiten sich bis zu einer Astgabel hochgezogen haben, haben jetzt menschengefertigte Materialien auch in ihrem Leben eine Rolle übernommen. Naturschützer Enn Vilbaste entdeckte kurz vor dem Unabhängigkeitstag Luchsspuren um die weißen folienumwickelten Heuballen herum, und er war sehr überrascht, als er sah, dass vier Ballen oben fast vom Schnee freigeräumt  waren, die Luchse hatten dort lange Zeit angenehm in der Sonne gelegen.
 
Froschlöffel
 

Wenn im März lange Eiszapfen unter der Traufe hängen, dann wird der Hanf hoch werden. Tartu-Maarja

 
Empfehlung:
Bei der Kirche von Pühalepa wuchs eine heilige Erle, unter der zu Ehren der alten Götter Schnittrituale von Opferern veranstaltet wurden. Die Blutschwur-Teilnehmer nahmen Messer und versuchten sich gegenseitig in Paarkämpfen zu verwunden, aber nicht ernsthaft, nur so zu verletzen, dass Blut erschien. Danach hatten sie ihre Verpflichtung dem Gott gegenüber erfüllt und konnten friedlich in der sicheren Hoffnung nach Hause gehen, dass der Gott ihnen gnädig sein werde. Ähnliche Schnittrituale sind aus der Nähe von Kärla bekannt, wo während der Zeremonie laut Dudelsack gespielt wurde.
 
 
Landarzt: Wacholderrauch
Nun ist die Grippe oder eine ähnliche Krankheit auch in Tallinn ausgebrochen. Diese Erkrankung, 2-3 Wochen dauernd und die ganze Familie aufs Krankenbett werfend, ist furchtbar ansteckend. Um diese sich verbreitenden Viren wenigstens ein bisschen einzudämmen, kann man Wacholderzweige holen und sie von Zeit zu Zeit auf dem Aschenbecher absengen. Wacholderrauch wird seit Alters her in Estland zum Eindämmen ansteckender Krankheiten verwendet. Bisher ist kein wissenschaftlicher Beweis für diese heilende Wirkung gefunden worden, aber weitere Untersuchungen finden statt. Es wurde nachgewiesen, dass Wacholderrauch mehr als 10.000 aktive Substanzen enthält, nicht nur 1-2, wie Tabletten.  
 

Estnischer Originalartikel hier veröffentlicht am 25.2.13

Übersetzung Liis und Leonia


 

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