Was macht ein Reh jetzt?

Eingereicht von Looduskalender - Mi, 14.06.2017 - 23.16
Avapilt
Sisu

Das Reh läuft jetzt auf seinem eigenen individuellen Pfad. Die meisten von ihnen haben das graue Winterfell gegen den rötlichen Sommerpelz ausgetauscht.


Foto: Tarmo Mikussaar

geposted vom Tier des Jahres Teams 07.06.2017

 

Das begleitete Winterleben von Rotwild ist zu diesem Zeitpunkt zu Ende. Sie werden Individualisten und versuchen das bestmögliche Revier zu bekommen; dies wird dann energisch gegen Artgenossen verteidigt. Schon Anfang Mai ist zu sehen, wie Rehböcke sich gegenseitig jagen. Anlässe, bei denen ein Rotwild männliche Artgenossen verfolgt, sind nicht selten. Offenbar versucht die Ricke die Kinder vom letzten Frühjahr zu vertreiben. Die armen Dinger können nicht verstehen, was plötzlich mit ihrem vorher so fürsorglichen Elternteil passiert ist. Das bedeutet, dass die Zeit der Geburt sich nähert.

Anfang Juni haben die meisten Rehe ihr Sommerfell. Kopf und Hals werden zuerst rotfarben. Das graue Winterfell ist zuletzt auf dem Rücken und den Hüften zu sehen. Häufige Regenschauer und ein feuchter Wald helfen beim Fellwechsel.

Die Böcke reiben ihre Geweihe nach wie vor an jungen Bäumen; das begann schon im April. Auf diese Weise wird die Haut, die das Geweih bedeckt entfernt und eine bräunliche Farbe kommt zum Vorschein. Gleichzeitig wird das Revier markiert. Die Farbe des Geweihs hängt davon ab, welche Art von Baum benutzt wurde. Eiche z.B. gibt eine schwarze Farbe. Die Arten, die weniger häufig in dem Gebiet vorkommen sind normalerweise die am meisten beschädigten. Im Juni beginnt die Bockjagd. Zuerst werden die Individuen gejagt, die zu dem Zeitpunkt ihr Geweih noch nicht von der Haut befreit haben, oder kein Sommerfell haben. Damit spät dran zu sein zeigt, dass das Tier bei schlechter Gesundheit ist und viele Endoparasiten hat. Es ist besser, wenn solche Tiere nicht am Paarungsritual teilhaben. Kein selbstbewusster Jäger wird einen Bock mit kräftigem Geweih vor der Paarungszeit jagen.

Die einjährigen Rehe, die ein unabhängiges Leben begonnen haben und wenig Erfahrung haben, können auf Straßen in den unerwartetsten Orten herum streunen. Dasselbe gilt für Elchkälber. Wenn sie vor Schreck fliehen oder von wütenden Artgenossen verfolgt werden, haben sie keine Zeit, gleichzeitig auf den Verkehr zu achten. Es lohnt sich für Autofahrer besonders vorsichtig zu sein.

Vahur Sepp