Abenteuer des Kranichs Loode am Mittelmeer

Eingereicht von Looduskalender - Mo, 05.03.2018 - 16.54
Autorid

Text Aivar Leito
Foto Jose A. Román
Übersetzung ins Englische Liis; vom Englischen ins Deutsche Leonia

Estnische Version publiziert 28.02.2018

Bild
Sookurg „Loode“ (keskel) talvekorteris Hispaanias
Textkörper

Kranich „Loode“ (Mitte) im Winterquartier in Spanien

 

Am 20. Februar morgens begann Kranich Loode, der im letzten Sommer bei Sõrve auf Saaremaa als Jungvogel eingefangen und besendert wurde, mit seinem Frühjahrszug.

Er verbrachte den Winter in der Provinz Extremadura in Westspanien. Am Abend des 24. Februar erreichte er nach der ersten Zugetappe das bekannte Zugrastgebiet der Laguna de Gallocanto. Es wird auch von den in Estland brütenden Kranichen im Frühjahr wie im Herbst genutzt.

Er setzte den Zug bereits am Folgetag, den 25. Februar, fort und erreicht spät am Abend des selben Tages den Hafen Port Ligat am Mittelmeer an der südfranzösischen Küste und setzte seinen Flug über das Mittelmehr während der ganzen Nacht und den nächsten Morgen ohne Halt fort, ununterbrochene 14 Stunden für etwa 500 km. Zunächst flog er etwa 175 km direkt in ost-südöstliche Richtung, aber kehrte mitten über dem Meer um und auf der gleichen Route zurück, auf der er geflogen war. Etwa 40 km vor der Küste wendete er parallel zur Küste bis zur Stadt Montpellier an der Südküste Frankreichs. Von dort aus weitere 40 km entlang der Küste in östliche Richtung bis zum wohlbekannten Kranich-Rast- und Überwinterungsgebiet in der Camargue, wo er sich nach den letzten Informationen vom 28. Februar aufhält.

Unglaublich, aber Kranich Loode flog vom Abend des 25. Februar bis zum Mittag des 26. Februar ohne Landemöglichkeit 14 Stunden lang über eine Strecke von beinahe 500 km!

Da es Nacht war und die Flughöhe über dem Meer nur etwa 20 Meter war, konnte der Kranich kein Land sehen, um dies zur optischen Orientierung zu nutzen, sondern flog nach seinem eigenen „Kompass“ zum exakten Standort, dem einzigen Zug- und Überwinterungsgebiet in dieser Gegend!

Offensichtlich reiste Loode nicht allein, sondern mit seinen Eltern und anderen erfahrenen Altvögeln, die das gesamte Netz an Zugwegen auswendig kennen!

Dieser Migrationsflug über das Meer demonstriert, welche kraftvollen Flieger und Navigatoren unsere Kraniche sind!

Der Grund für die Umkehr über dem Meer kann ein starker Gegenwind gewesen sein, dem der Vogelschwarm über der See ausgesetzt gewesen sein kann. Die Kraniche gaben den Kampf gegen den Wind auf und nutzten zunächst den Rückenwind und dann seitlichen Wind für den Rückzug, um weniger Energie zu benötigen.

Wenn man sich die Wetterkarten und die europäischen Wettermeldungen ansieht, dann wird deutlich, dass sie vom eisigen Atem des mächtigen kalten Hochdruckgebietes getroffen wurden, das das Mittelmeer erreicht hatte. Offensichtlich wird dies Kaltfront nicht lange dauern und unsere Kraniche können nach Hause weiterfliegen.     

 

P.S.

Die Vogelzugroutenkarte wird in die Frühjahrssaison überführt, in den nächsten Tagen wird es wieder frische Informationen geben.

 

Premieren des Films „Free like a crane“ (D’autres terres plus douces — Frei wie ein Kranich) in Tartu:

 

1. März, 12:00, EMÜ-Hauptgebäude, Aula (Kreutzwaldi 1a)

2. März, 15:30,  Tartu Elektritheater (Jakobi 1)

 

Für mehr Details siehe (auf Estnisch):

http://pk.emu.ee/teadusinfo/kurefilm/esilinastused