Luchs aus nächster Nähe

Eingereicht von Looduskalender - Do., 22.11.2018 - 14.14
Avapilt
Sisu

Das ausdrucksstarke Foto eines aus nächster Nähe in einem Frühlingsdickicht fotografierten Luchses ist derzeit auch Teil der Tier-des-Jahres-Fotoausstellung „Geheime Pfade der Waldkatze“ im Tallinner Büro des RMK (Estnische Forstverwaltung).

Fotos: Remo Savisaar
Estnische Version publiziert durch das Tier-des-Jahres-Team 3.11.2018

Übersetzung ins Englische Liis; vom Englischen ins Deutsche Leonia

 

An einem Tag im Frühling rief mich ein am Ufer des Peipussees lebender Freund an, um mir zu erzählen, dass er auf einem Luchs begegnet sei und auch ein von diesem Luchs getötetes Beutetier bemerkt hatte — ein Reh. Ich fragte ihn nach der Landschaft und den Gegebenheiten dort und beriet ihn, wie er gute Fotos von dem Luchs erhalten könne. Ich habe mich selbst in solchen Situationen befunden, und ich wusste, dass ein Luchs üblicherweise zu einem frisch geschlagenen Reh zurückkehrt.

Der Appetit des Luchses war angeregt und er lässt seine Beute nicht so leicht zurück. Wenn man dem Tier nachstellt, muss man in einiger Entfernung, im Gegenwind und außer Sicht bleiben. Die Landschaft dort unterstützt derartiges Nachstellen.

Auf eine Karte schauend machte ich eine Vorhersage, wo sich der Luchs verstecken könnte und wohin er das Reh im Idealfall bringen könnte – der gegenwärtige Ort war ein vorübergehender. Der Luchs würde sicherlich das Reh zu einem geschützteren Platz tragen, wo er ungestört fressen könnte.

Mein Freund jedoch sendete mir Nachricht, dass er leider nicht dorthin gehen könne und fragte, „Kannst Du kommen und das übernehmen?“ Die Chance, den Luchs zu sehen und vielleicht einen Luchs in der Wildniss fotografieren zu können, veranlasste mich, meine Pläne sofort zu ändern. Ich studierte den gesamten Hintergrund nochmals und machte mich auf den Weg. Als ich die Stelle erreichte, bewegte ich mich mit etwa 40 km/h. Und plötzlich überquerte der Luchs unerwarteterweise die Straße etwa 25 m weiter vorn. Der gleiche Luchs!  

Ich verlangsamte das Auto nur wenig und merkte mir die Stelle, wo der Luchs passiert hatte. Ich sah, wo er sein Versteck nahm. Ich fuhr ein paar hundert Meter weiter außer Sichtweite des Luchses und drehte dort um. Ich stellte die Kamera mit dem Objektiv aus dem Fenster heraus auf und näherte mich noch vorsichtiger. Ich hoffte nur, dass der Luchs noch dort sein würde und dass ich das Glück hätte, ihn in diesem Dickicht schnell zu entdecken. Diese Aufgabe war nicht einfach. Als ich mich der Stelle näherte, ließ ich das Auto im Leerlauf rollen, den Fuß auf der Bremse. Ich suchte intensiv und erkannte dann, wo der Luchs war! Ich hielt das Auto langsam an. 

Es schien, dass sich der Luchs sicher war, dass ich ihn nicht sehen könne. Tatsächlich schenkte er mir keine Beachtung. Ich jedoch war nervös – versuchte im Dickicht einen offenen Fleck zu finden, wo der Luchs zu sehen sein würde und wo weniger Zweige sein Gesicht verbergen würden. Die Kamera fokussierte entweder auf die Zweige, oder das Bild war nicht scharf. Ich wusste, dass ich schnell handeln musste und machte einige Fotos, nicht sicher, ob diese überhaupt scharf sein würden. Ich wollte schnell verschwinden, weil ich fürchtete, den Luchs durch solch einen engen Kontakt zu verscheuchen.

Aus einer solchen Nähe hatte ich zuvor noch keinen Luchs gesehen. Ich wollte so tun, als hätte ich ihn nicht gesehen. Mein Halt dauerte höchstens 10 Sekunden und danach fuhr ich weiter. Erst dann habe ich die Fotos geprüft und festgestellt, dass einige der Bilder erfolgreich waren!

Remo Savisaar

ilves


 

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