Dritte Juni-Woche: auf die Schaukel!

Text: Kristel Vilbaste
Fotos: Arne Ader
 
Margeritenwiese bei Otepää
 
Kieks-kähks! Kieks-kähks ... die alte Schaukel im Dorf quietscht. Die Mittsommernachts-Nachtigall antwortet den kreischenden kleinen Gören: „Faules Kind - Faules Kind“. Aber in der Mittsommernacht sind weder Nachtigall noch Landkinder in Eile.
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche:
Quäkender „Regenanzeiger“, Pirol,
die klitzekleinen Krötenkinder,
nächtlicher Riss der Lämmer
und Regenschauer.
 
Die Mittsommernacht ist voller Helligkeit, der Himmel zu Sonnenuntergang ebenso wie zu Tagesanbruch hell, es gibt nur kurzzeitig richtige Dunkelheit und dennoch sieht man einige Sterne am Himmel oben, zu Füßen der Wanderer glimmen Glühwürmchen. Der Pflanzenstreifen neben der Straße scheint im nächtlichen Nebel ähnlich licht wie am Tag. Die einzigen, die sich in der Dunkelheit verstecken, sind die Walderdbeeren, dunkelrot ist in der mittsommernächtlichen Dämmerung unsichtbar, man muss sie um die Sonnwendfeuer herum finden, durch Riechen und Tasten. Das Gezwitscher der Grasmücke nachts und das laute Knarzen des Wachtelkönigs am frühen Morgen sind Anzeichen des Hochsommers. Es gibt noch nicht mal die leiseste Hoffnung, den Wachtelkönig im Gras zu sehen, das Gras reicht selbst Erwachsenen bis zur Nase. Der Streifen mit Farnen am Waldrand reicht bis zur Taille. In diesem Wildwuchs nach der Farnblüte zu suchen, ist überhaupt nicht einfach ... Die von den Regenschauern nasse Wiese lässt die Kindern nicht einmal ihren 9-blütigen Blumenkranz-Traum erfüllen. Statt über die Zäune zu klettern ist es einfacher, zu Facebook zu eilen, wo man das Bild der Liebsten leichter findet.
 
Hochzeit bei den Wasserjungfern. Von links nähert sich das blaue Männchen, rechts wartet das braune Weibchen
 
 
Summender Honigklumpen
Das wichtigste Erlebnis der Mittsommernacht fand sich für mich in der Pflaumenschlehe. Wir kamen gerade mit einem Freund vom Tammetsõõr-Gehölz, als Aotäht fragte, was das schwarze Ding in dem Baum dort sei. In der Pflaumenschlehe saß so etwas wie ein Habichtskauz, der sich vor dem Tageslärm dort versteckt. Beim Näherkommen wurde deutlicher, dass dieser riesige Klumpen ein Bienenschwarm war, der gerade kurz vor dem Gewitterregen aus dem Bienenstock ausgeschwärmt war. Und so versuchten wir in der Mittsommernacht viele Stunden lang, diesen Haufen in einen Bienenstock zu bekommen. Die Tatsache, dass schwärmende Bienen nicht stechen, weil sie voller Honig sind, überzeugt Menschen von heute nicht mehr. Die Angst vor dem Gesummse ist stärker, nur zögernd wagte es letztlich die ganze Gruppe, die Bienen näher zu betrachten. Aber die Honigsüße war nach Mittsommer nicht für uns bestimmt, denn die Bienen im Kasten, vom Donner verschreckt, ließen nicht zu, dass nur ein einziger Rahmen herausgenommen wurde, sondern traktierten Mikk mit vier giftigen Stichen. Aber das war auch schon was!
 
Graue Wespenkugeln
Die Luft ist jetzt voller dicker Brummer. Surrend fliegen Käfer und Bockkäfer herum. Die Wespenvölker sind in diesem Jahr groß wie Kälber. Es wird in diesem Jahr viele Wespen geben, eine gigantische Kugel ist in Vilusi an der Vorderseite von Aotähts-Spielhaus verblieben, als eine Art Türschloss, wenn man die Tür zuschlägt, fliegt eine ganze Wolke verärgerter kleiner Stacheltierchen aus der Kugel heraus. Die Fülle an Libellen ist ebenfalls einzigartig, die unglaubliche Menge an Mücken neigt sich dem Ende zu, es gibt nicht so viele Gnitzen in diesem Jahr. Aber statt dessen sind dreieckige gefleckte Pferdebremsen ausgeflogen, die eher zum Beißen neigen, so dass man ein Loch in die Haut gekommt. Geht man über die Wiese, sind überall Grashüpfer, aber es ist noch kein Grillen-Gezirpe zu hören. Und es gibt Unmengen Schmetterlinge – die schönen Widderchen mit den rot-schwarzen Flügeln, Dickkopffalter und Perlmutterfalter sind ebenfalls ausgeflogen. Es gibt richtige Wolken von Bläulingen.
 
Windenblüte und Nord-Labkraut
 
Schafställe müssen gebaut werden
Die Wölfe sind hinter den Herden her. Ebenso die Luchse und Bären. Mit dem großen Schnee ist auch das Futter der großen Raubtiere verschwunden – die Rehe; die Jagd auf die großen Säugetiere ist auch eingestellt worden. Die Bauern haben ernstliche Schwierigkeiten, eine Bestätigung für den Tod eines gerissenen Tieres zu erhalten und die Entsorgung kostet oft mehr, als das Tier selbst wert ist. Die Fuchswelpen sind schon recht groß, hier und da sieht man diese Mäusejäger mit ihren dünnen kleinen Schwänzen sogar in den Städten herum huschen ... zum Beispiel in Tartu im Tähtvere Park. Es ist ganz interessant, Füchse zu beobachten, wenn man mit dem Bus unterwegs ist, die Tiere können nicht erkennen, dass wir ihr Treiben im Gras von oben beobachten können. Neben den Pelzträgern sind die Amphibien ebenfalls sehr geschäftig, winzige fingerspitzengroße Krötenjunge kommen aus dem Teichwasser heraus und versuchen, bessere Plätzchen zu finden.
 
Purpur der Weidenröschen
In diesem Sommer steckt auch ein kleines bisschen vom Herbst – gelbe Birkenblätter an den Straßenrändern. Schmalblättrige Weidenröschen stehen bereits in Blüte. Auch das kleinblättrige Weidenröschen hat bereits rosa Blütchen. Pfefferminze und Thymian kann man bereit pflücken. sehr bald sollten auch wilder Majoran und Johanniskraut blühen. All das Labkraut ist mit Blüten bedeckt. In Süd-Estland leuchten die Vorkommen der wilden Erdbeeren rot. In Kütioru haben wir gerade einen Weg zu den Erdbeerhängen gemäht, ein Krug voller Erdbeeren ist in kaum einer Viertelstunde gepflückt. Die Saison der sauren Gurken hat begonnen und man erhält sogar schon die ersten Frühkartoffeln. Auch die Zeit der selbst geernteten Erbsen hat begonnen. In diesem Jahr sieht es aus, als gäbe es viele Sommer- und Winteräpfel, aber die Bäume der Herbstsorten sind nahezu leer.
 

Sänger der weißen Nächte: Schlagschwirl
 
Blumengeschichte: lasst die Weidenflöten tönen
In alten Zeiten soll die Rinde der Weiden immer lose gewesen sein, so dass die ihre Herden hütenden Kinder immer die Rinde abgezogen und Schuhe davon geflochten haben. Eines Tages jedoch ging die Weide zum Großen Vater und beschwerte sich, dass dadurch ihre ganze Art noch völlig aussterben werde. Der Große Vater wollte den Menschen gewogen bleiben, aber dennoch fühlte er auch mit den Weidenkindern. So fertigte er eine Pfeife aus der Weidenrinde und stellte sie dem Donnerjüngling vor: „Wenn Du im Frühjahr zum ersten Mal in diese Pfeife bläst, löst sich die Rinde von den Weiden; von diesem Tag an müssen die Hirtenkinder ihre Fußbekleidung flechten. Wenn Du die Pfeife am Jakobstag (29. Juni) wieder bläst, festigt sich die Rinde und der Busch kann wieder wachsen.“ Seit dieser Zeit machen die Hirtenjungen aus den Weiden Pfeifen und kündigen damit an, dass es Zeit ist, Rindenschuhe zu flechten.
 
Zitat:
Wenn es an Siebenschläfer (27. Juni) donnert und regnet, wird es sieben Wochen lang regnen.
 
    
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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