Zweite August-Woche: Sternschnuppen-Zeit

Text: Kristel Vilbaste
Fotos: Arne Ader
 
Weißstörchen nutzt das Zusammensein mit Rindern auf einer Weide, durch deren Bewegungen Insekten und Mäuse zum Vorschein kommen
 
Eine große schwarze Katze sitzt im Fenster der Sporthalle von Käärik. Der Vollmond spiegelt sich in ihren Augen wider wie zwei Räder, die grüne Funken sprühen. Sie wartet, wartet wie wir auf den Fall der Sternschnuppen und die Erfüllung unserer Wünsche.
 
Die vier Wetter-Zeichen dieser Woche:
Zugrufe des Kleibers,
erneute Löwenzahnblühte,
Pilz-Zeit
und Regengefröstel.
 
Seit einer vollen Woche schüttet der Wettergott kalten Regen aus, die Rheumabeschwerden älterer Leute kehren zurück aus den hintersten Winkeln des Knochengerüsts. Aber letztendlich schickt der Vollmond das Wolkengrau fort und das goldgelbe Mondgesicht lächelt schon in der Samstagnacht. Andere schimmernde Sterne sind darum herum, einige von ihnen fanden einen Wunsch, um durch die August-Nacht zu fliegen. Die Sternenblitze flackerten zum Gezirp der Grillen so schnell über den Himmel, dass man sich nur die herzinnigsten Begehren wünschen konnte. Und wahrscheinlich war es der Wunsch der meisten Menschen, dass die Sommerwärme weitergehen möge. Es scheint, als ob unser himmlischer Vater sich diesen Wunsch der nächtlichen Wanderer zu Herzen genommen hat, und für die nächsten paar Tage hat auch die Wettervorhersage die Erfüllung dieses Traumes versprochen. Aber es gab neben den schimmernden Himmelskörpern noch andere Dinge in der Nacht. Kleine schwarze Wesen springen – das Volk der Frösche tanzt seinen Freudentanz, alle Pfützen sind nun vom Regen randvoll und nach der Dürre ziehen sie in Migrantentruppen hin zu den Lacken der Vorfahren, zu den Wurzeln, zurück nach Hause. Es gibt wirklich viele Frösche und in der Nacht gibt es nicht so viele Tiere mit zuschnappenden Schnäbeln, gelegentlich schlingt das Marderhund-Männchen einen hinunter, aber das hält die Frösche nicht von ihrem Tanz ab.
 
Die Ricken sind in diesem Jahr sehr schmal und die Kitze klein
 
Der Herbstzug hat begonnen
Den froschfressenden Langschnäbeln ging es in dieser Woche nicht so gut. Der kalte Dauerregen durchnässte ihr Gefieder und auf vielen Feldern konnte man Weißstörche beobachten, die ihr Gefieder mit weit ausgebreiteten Schwingen trockneten. Von den vier Jungen der Schwarzstorchen-Web-Kamera kam eines von einem Flug ganz blutig zum Horst zurück. Was mit den Storchenjungen geschah, weiß niemand, aber es ist dennoch sehr lebhaft. Unsere Falken und Adler hat die Zugunruhe gepackt. Schwärme von Meisen, Kleibern und Baumläufern bewegen sich emsig Richtung Süden, vorher aber picken sie sich durch alle Baumrindenritzen im Wald. So wie jedes Jahr um diese Zeit. Aber man hört ungewöhnlich viel Gekicker von Fichtenkreuzschnäbeln aus den Baumwipfeln. Wahrscheinlich herrscht irgendwo im Norden Zapfenmangel.
 
Schach Kormoran gegen Möwe
Langsam versammeln sich Scharen von Enten an der Küste, sogar die Limikolen bewegen sich nach und nach Richtung Süden, die Algenstreifen an der Küste mit ihren nadelspitzen Schnäbeln durchsuchend. Die einzigen, die keinerlei Notiz vom nahenden Herbst nehmen, sind die Kormorane und die Möwen. Träge sitzen sie auf ihren Sitzsteinen wie große Schachfiguren. Von Zeit zu Zeit erhebt sich eine schwarze Kormoran-Schachfigur oder der Anführer der weißen Figuren zur nächsten Flugattacke. Das Vogelschach dauert bis zur nächsten Böe, dann ziehen die Möwen landeinwärts um den Zorn des Meeres zu verkünden.
 
Die Traubenkirsche zeigt die ersten Herbstfarben!
 
Gelber Löwenzahn verwoben mit herbstlichem Braun
Die Blumenwelt jedoch war von der kalten Phase, die eine Woche dauerte, total schlammfarben geworden. Die Disteltuffs auf dem braunen Nadelkissen hängen triefnass herunter. Die gelben Rainfarn-Knöpfchen wurden über Nacht zu hässlichen braunen Punkten. Die Distel ist schmutzig-braun, das Gras ausgebleicht, das Laub der Traubenkirsche kirschrot. Dem Bild der müden Pflanzenfarben fügt in diesem Jahr eine Unmenge an Beeren echte Farbtupfer hinzu – Vogelbeeren-orange, Apfelbeeren-schwarz, Holunderbeeren-rot [schwarzer Holunder ist in Estland selten]. Gleichzeitig ist es interessant zu sehen, dass viele Frühjahrsblüher wieder Kraft gewonnen haben und der Rasen voller Löwenzahnblüten steht.
 
Wintersaat ausbringen
Um den Laurentiustag (10. August) und Mariä-Himmelfahrt (15. August) beginnen auch die Herbstarbeiten.
In früherer Zeit wurde dann Roggen ausgesät und man sah auf zum Himmel, ob die „Saat“-Kraniche hoch oder tief flogen. Flogen sie hoch oben, dann würde der Roggen auf langem Halm wachsen, wenn sie tief flogen, dann würde das Stroh kürzer. Äpfel erhalten Geschmack und Wälder bringen viele Beeren.
 
Roggen
 
Blumengeschichte: die Geschichte vom Roggenstroh
In den alten Zeiten hatte der Roggen nicht so lange Halme wie heute, alles bestand aus einer Ähre, von der Spitze bis hinunter. Aber eines Tages säuberte eine Frau ihr Kind an einem Feldrand und riss eine Hand voll Roggen aus, um es abzuwischen. Der Herr war darüber verärgert und ließ daraufhin später nur noch wenige Körner am Halm wachsen, damit die Menschen keinen Überfluss verschwenden könnten.
 
Zitat:
Ist es an Mariä-Himmelfahrt trocken, dann wird der Herbst trocken und warm.
 
    
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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