Erste September-Woche: ohren-klingende Frische

Text: Kristel Vilbaste
Fotos: Arne Ader
 
Grau- und Silberreiher
 
Der Windstoß weht die finsterblauen Gewitterwolken auseinander, leuchtenden Auges blickt der Herbst aus seiner Wolkenecke auf die Erde herunter. Uuu - ooh, der erste Ahorn zieht sich den Purpurmantel über, der Reigen des Herbstwindes jedoch tanzt bereits um ihn herum und das Gewand fällt, Blatt für Blatt.
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche:
die Schneeweiße des Silberreihers,
auflebender Mückentanz,
Kastanienstachelkugeln
und Nachtfrost-Warnung.
 
Der Peipussee, der den ganzen Sommer über voll bis zum Frühjahrsstand war, dehnt sich wieder nach Russland aus, lange Sanddünen zeigen sich anstelle der gewohnten Badeplätze. Das Wasser ist so kalt, dass nur die tapfersten der Tapferen Badeversuche unternehmen. Stattdessen sind die Ränder des Schilfgürtels voll mit allen möglichen Arten von Enten und die Reiher kommen auch wieder ins Gedränge. In Vilusi kam auch ein großer Reiher zu Besuch, jedoch sahen Vogelbeobachter ein Dutzend von ihnen auf der Piirissaare-Insel. Und wenn die schlammgründelnden Wasservögel eintreffen, dann sind die Greifvögel auch dort -über dem See sieht man beständig einen alten Seeadler patrouillieren. Am Samstag sah ich eine Szene zwischen einem Bussard und einem Sperbermännchen, die nebeneinander herglitten, etwas überraschend war der Größenunterschied zwischen ihnen – großer Räuber und kleiner Räuber. Mitten beim Sanddornpflücken kam jedoch Nachbarin Anu mit dem Fernglas in der Hand zu mir gelaufen und rief: „Du hast kein besseres Glas, oder? Komm und schau, im See schwimmt eine seltsame Insel, ein Regenbogen steht darüber.“ Und tatsächlich, solch losgerissene Schilfinseln sind zu dieser Jahreszeit außergewöhnlich, es gibt sie im Frühjahr, schwer zu verstehen, warum sich solche schwimmenden Inseln losreissen. Aber der Regenbogen war herrlich, er reichte von Mustvee bis Lohusuu, alle sieben Farben klar leuchtend.
 
Der Heuballen dient dem Fuchs als Jagdansitz
 
Durcheinander an Pilzen
Im Kiefernbestand am Seeufer sind ebenfalls alle Regenbogenfarben vorhanden. Die roten Fliegenpilze sind in diesem Jahr besonders hochgewachsen und getupft. Es gibt noch wenige Edelreizker, aber die Speisetäublinge gibt es noch in allen möglichen Farben. Die Steinpilzhüte beginnen sich bereits langsam aufzurollen, nur einige wohlgeratene Enkelkinder wollen in den Korb gleiten. Der Rasen ist dicht mit Bovisten besetzt, ebenso mit rosa Champignons und Birkenpilzen. Während die rotbraunen Milchlinge in Samland [Lappland] groß wie Untertassen waren, sind sie hier ziemlich dicke kleine Knopfchen. Ein hübscher Riesenschirmpilz und einige späte Sandröhrlinge kamen ebenfalls in den Korb. Es gibt tatsächlich in diesem Jahr so viele Pilze, dass es auch denen, die keinen eigenen Pilzfundort haben, möglich sein sollte essbare Pilze in Mengen zu finden.
 
Zweite Blüte
Die Schönheit der Blumen erlebt ihre zweite Phase. Aotähts Schnellball blüht wie in jedem Herbst um diese Zeit, aber es erscheint einem immer noch kaum glaublich, dass der Strauch plötzlich hübsche rote Beeren und sehr große weiße Blütendolden trägt. Aus unserem verwilderten Blumenbeet recken sich eine späte Kornblume und ein Büschel Ringelblumen. Die krokusartigen violetten Blütentrichter der Herbstzeitlosen haben sich bereits geöffnet. Die Apfelbäume tragen in diesem Jahr sehr unterschiedlichen Fruchtbesatz, unser alter goldreinetten-ähnlicher Baum, der sonst in jedem Jahr Frucht trägt, ist in diesem Jahr ziemlich leer, ebenso die Sorte Melba, auf dem Marzipan-Apfelbaum gibt es einen Überfluss an Äpfeln und die mit den Winteräpfeln sind üppig. Die Pflaumenbäume jedoch wurden Opfer einer seltsamen Krankheit und es gibt schlicht keine Pflaumen. Aber als Entschädigung gibt es keinen Mangel an Eicheln und Kastanien-Früchten.
 
Die Pilzsaison erreicht ihren Höhepunkt. Riesenschirmpilz
 
Reisefieber in den Adern
Die Häher tanzen bereits den Eicheltanz. Eichel in den Schnabel und ab in den Wald, Eichel in den Schnabel und ab in den Wald … Auch andere Mitglieder der Krähenfamilie sind überraschend zahlreich. Unter meinem Fenster sind ständig fünf Elstern geschäftig, einige mit einem etwas kürzeren Schwanz; jeden Morgen und Abend ziehen die Scharen der Krähen und Raben aus der Stadt auf das Land zu den Getreidefeldern. Ebenso die Kraniche, jedoch sind ihre Übernachtungsplätze ein wenig feuchter. Die Kiefernbestände am Ufer sind dicht gefüllt mit reisefiebrigen Wintergoldhähnchen; dazwischen gibt es auch Meisen, Kleiber und Baumläufer. Sogar die Stare haben Zugunruhe und die jährlichen Treffpunkte auf den „Papageienbäumen“ sind voll von lautem Gezwitscher. Die Schwalben verschwinden, nur die Vögel aus den späten Gelegen sausen noch um die Häuser herum. Der Rasen ist voller piepsender Bachstelzen, aber sie sind nicht mehr so wie unsere Sommervögel, es scheint, sie kommen irgendwo aus der Ferne.
 
Apfelfest der Pelzchen
Die Sommerdürre ist zu Ende und alle Orte sind voll glücklich plantschender Frösche. Die Marderhunde mästen sich langsam an der reichgedeckten Tafel, denn jetzt finden sie sich auch in den Apfelplantagen, große Ausscheidungshaufen hinterlassend, dass die Menschen oft panisch glauben es seien Bären-Exkremente. Die Bären selbst wandern Enn Vilbaste zufolge zwischen drei Zielen herum: dem roten Vogelbeerbaum, den Apfelplantagen und dem Haferfeld und sie geben auch den Kadavern keine Absage, die sonst irgendwo herumliegen. Die Elche sind so wenige, dass das Brüllen der Elchbullen immer schwieriger zu hören ist. Wildschweine sind bereits mit Begeisterung auf noch nicht geernteten Kartoffelfeldern beim Fressen.
 
Auf den Wiesen blüht die Kanadische Goldrute – eine wundervoll blühende fremde Art in unserer Natur
 
Blumen-Geschichte: Preiselbeeren
Einst ging in den alten Tagen ein Mann mit seinem Pferd, um von einer Wiese am Rand des Moores Heu zu holen. Der Tag wendete sich jedoch bereits dem Abend zu und da der Weg nach Hause lang war, band der Mann sein Pferd an und rüstete sich für die Nacht unter einer Fichte. Sein Zorn am Morgen war groß, als er sein Pferd von Wölfen getötet vorfand. Er beklagt sich wegen dieser Ungerechtigkeit beim Urvater, der den Wölfen verbot, ohne Erlaubnis Tiere zu reissen. Seit dieser Zeit müssen die Wölfe mit Geheul des Urvaters Erlaubnis erbitten, bevor sie ein Tier töten. Als Andenken an das getötete Pferd und zum Trost für den unglücklichen Mann schuf der Urvater Beeren rot wie Blutstropfen und pferdehaar-feinen Stielen, die die Menschen begannen jõhvikad, Rosshaar-Beeren zu nennen [Jõhv = Pferdehaar vom Schwanz].
 
Zitat:
Wucherungen an Bäumen darf man nicht mit der Hand berühren und auch nicht den Saft von Bäumen mit Wucherungen trinken. Tut dies jemand dennoch, so befallen die Wucherungen auch ihn selbst.
 
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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