Zweite September-Woche: Pilze sammeln, Pilze sammeln!

Text: Kristel Vilbaste
Fotos: Arne Ader
 
Die Schirmpilze wachsen. Riesenschirmpilz
 
Auu-auuu! Der Forst und die Wälder hallen wider. Stadtbewohner, die sich wegen der Borreliose-Gefahr sonst strikt von Wäldern fernhalten, fluten in Menge zwischen den Bäumen. Und die Dankesgabe des Waldes ist großzügig – Birkenreizker [Lactarius torminosus], Espenrotkappe [Leccinum aurantiacum], knopfartige rotbraune Milchlinge [Lactarius rufus]und gelbe Pfifferlinge.
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche:
Graugans-Geschnatter,
Wespen-Hölle,
Preiselbeeren-Rot
Und die Magie des Regenbogens.
 

Aber der Wald bietet nicht nur neue Geschmackserlebnisse. Die Vielfalt der Farben, die die Pilzwelt aus dem Erdinnern ans Tageslicht bringt, ist kraftvoller als die Farbpalette des Regenbogens, die vergangene Woche überall gemalt war. Die roten Fliegenpilze haben ihre gefältelten weißen Röcke hoch aufgehoben und der rote Überrock hat die Größe einer großen Untertasse. Die Knopfhütchen des rotbraunen Milchlings sind unglaublich spitz zulaufend, die regelmäßigen Kreise auf dem Birkenreizker sind tief rosa. In Tammetsõõri in Võrumaa erscheint wieder ein Riesenbovist neben dem steinernen Mahnmal, er ist warzig wie eine große grüne Orange; dagegen sind die gelben Pfifferlinge geschrumpelt und das Rot der Täublinge verstärkt sich. In diesem Jahr haben auch die Maiglöckchen sparsam Früchte angesetzt – am Blütenstängel des Maiglöckchens nur wenige einzelne orange Beeren. Der Eichelfall hat noch nicht begonnen und die Wildschweine nehmen stattdessen gern einen Anteil von unseren Kartoffeln.

 
Maiglöckchenbeeren
 
Aber die Pflanzenwelt trägt noch kräftiges Grün, nur wo es Nachtfröste gab sind die Ahorne rot-meliert, und die alten Birkenmänner haben gelbe Strähnen in ihrem Haar. Und wahrscheinlich haben auch die Windkinder ihren Anteil am Mangel an Farbe, was alt und bunt wurde, wird schnell vom Baum geweht. Und tatsächlich, der Boden unter den Birken ist voller Gold. Die Esche lässt schon ihre Blätter fallen, die Linden und Erlen werden braun und schütter. Rainfarn, Goldruten und Disteln sind dreckig-braun, nur die Krause Ampfer [Rumex crispus] versucht ein wenig Rot zu zeigen, aber selbst dieses ist so braun, wie braun es altersbedingt nur sein kann. Blütenschönheit kann man bei der Schafgarbe finden, es gibt wohl keine andere so späte und so ausdauernde Blütenpflanze. Aber es gibt auch Pflanzen, die aufgrund der Helligkeit noch blühen … hauptsächlich Löwenzahn, aber man kann sehen, dass sie sich in der Kälte ducken. Denn … auch wenn die Anzeige auf dem Thermometer örtlich bis auf 20 Grad steigt, kriegen die Pflanzen die Nachtkälte nicht aus ihren „Knochen“.
 
Dies ist der Marderhund-Todesmonat. So viele überfahrene Junge wie jetzt hat es in diesem Jahr bislang nicht gegeben. Sie werden vermutlich durch die Mengen an Kröten auf die Straße gelockt, weil die Kröten in Richtung ihrer Überwinterungsplätze unterwegs sind. Aber die Fledermäuse, die ihre Flugkurven in der Dunkelheit, ziehen haben noch keine Vorahnung vom Winter, besonders gut konnte man sie während des Wochenendes vor dem Hintergrund eines gelben Vollmondes beobachten. Auch die Wölfe schleichen noch aus den Wäldern, und lassen sich an den Rändern der Schafweiden sehen. Man hat jetzt auch für sie neue Jagdziele eingeführt – polnische Wildpferde – Koniks. Die Zeit wird zeigen, welche der Euro-Subventionen sich durchsetzen werden!
 
Das Frühstück der Elsternfamilie besteht aus einem auf der Straße getöteten Marderhund
 
Aber die Wildtiere rücken mehr und mehr in die Nähe der Menschen. Vor einer Woche schrieb ich über einen herumstreunenden Fuchs, aber sie sollen in den Städten  bereits so kühn sein, dass sie am Morgen durch die Balkonfenster lugen, um zu sehen, was die Menschentiere zum Frühstück haben. In Viimsi streunt eine seltsamer Luchs herum. Es scheint, dass wir in einer Hinsicht mit Westeuropa gleichgezogen haben – viele ursprüngliche Wildtiere werden Stadttiere. Wollen wir hoffen, dass der Weg nach Amerika ein wenig länger währt und dass wir nicht damit rechnen müssen, in naher Zukunft Mülleimer-Bären zu sehen, obwohl die Komposthaufen bei den Häusern Anwärter darauf sind. Ja, und in Europa leben sogar die Adler bereits oben auf Telefonmasten.
 
Glücklicherweise ist ein großer Teil der Wildvögel immer noch hier bei uns. Zu Wochenbeginn traf die Nachricht von der Ankunft der Gänse aus dem Norden ein, aber man hat sie bislang in Ost-Estland noch nicht gehört. Die Kraniche sind ebenfalls ziemlich sesshaft und zumindest ein Teil der Weißstörche ist noch hier. Es sind sicherlich keine Mauersegler mehr hier und nur noch wenige Schwalben ... dennoch sah ich zwei Rauchschwalben-Küken in einem Nest in Tartumaa. Die wesentlichen Vogelstimmen sind derzeit die Piepser der Bachstelzen, das Tjöktjök des Kreuzschnabels und das morgendliche Ticksen der Rotkehlchen. Die Dohlen scheinen etwas in Planung zu haben, weil sie in großen Schwärmen Regenwürmer aus den städtischen Grünflächen forttragen –bei dieser Völlerei scheinen sie einige Reisevorstellungen im Kopf zu haben.
 
Kröten sammeln sich in ihren Überwinterungsgebieten. Kröte bei Grabungsbeginn
 
Blumen-Geschichte: Preiselbeeren
Einst ging in den alten Tagen ein Mann mit seinem Pferd, um von einer Wiese am Rand des Moores Heu zu holen. Der Tag wendete sich jedoch bereits dem Abend zu und da der Weg nach Hause lang war, band der Mann sein Pferd an und rüstete sich für die Nacht unter einer Fichte. Sein Zorn am Morgen war groß, als er sein Pferd von Wölfen getötet vorfand. Er beklagt sich wegen dieser Ungerechtigkeit beim Urvater, der den Wölfen verbot, ohne Erlaubnis Tiere zu reissen. Seit dieser Zeit müssen die Wölfe mit Geheul des Urvaters Erlaubnis erbitten, bevor sie ein Tier töten. Als Andenken an das getötete Pferd und zum Trost für den unglücklichen Mann schuf der Urvater Beeren rot wie Blutstropfen und pferdehaar-feinen Stielen, die die Menschen begannen jõhvikad, Rosshaar-Beeren zu nennen [Jõhv = Pferdehaar vom Schwanz].
 
Zitat:
Wucherungen an Bäumen darf man nicht mit der Hand berühren und auch nicht den Saft von Bäumen mit Wucherungen trinken. Tut dies jemand dennoch, so befallen die Wucherungen auch ihn selbst.
 
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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