Erste Oktoberwoche: Flauschköpfchens Triumph

Text: Kristel Vilbaste, loodusenaine@hot.ee
Fotos: Arne Ader
 
Die Bäume verlieren schnell ihre Blätter schnell. Esche am 1. Oktober (linke Bildhälfte) und zwei Tage später
 
Eine stolze flauschköpfige Dame steht aufrecht in der Mitte eines smaragdgrünen Rasens. Die Löwenzahn-Dame hat es vollbracht, Fallschirmkinder aus ihrem gelben Rock wachsen zu lassen, denn die Leute schicken so spät keine Rasenfresser mit ratternden Stahlzähnen mehr auf ihren Rasen.
 
Die vier Wetterzeichen diese Woche:
Rebhuhnbesuche,
Gänsegeschrei,
Mäusescheuern
und Hagelrauschen.
 
Ja, die Rasenflächen sind grasgrün wie ehedem und es gibt dort sogar noch gelbe Löwenzahnblüten, weil Rasenmähen nahezu unmöglich ist. Die Welt ist voller Morgentau und mittäglichen kalten Regenschauern. Auch die Schopftintlinge, die sich entschlossen aus dem Gras reckten, wollen nicht weiter wachsen und sind zu Boden gefallen wie große Tintenkleckse. Die geheimnisvolle dauerhaft-unter-zehn-Grad-Schwelle nähert sich, ab der die Pflanzen keine Wachstumskraft mehr besitzen. Und zur Wochenmitte entdeckte ich, während ich farbige Blätter sammelte, dass die Bäume nicht einmal mehr die gelben Blätter an ihren Ästen halten können – die meisten haben sich während der Woche in eine faltige und braune Vergänglichkeit ergeben. Inseln und Lindenbäume sind kahl, aber sauber. Mehr noch: die ganze nördliche Natur lässt jetzt raschelnd ihre im Sommer ausgereiften Früchte fallen. Die Eichen haben eine Schicht kleiner brauner Eicheln um sich herum ausgeschüttet, die Eicheln sind in diesem Jahr nicht besonders groß. Die Ahorn-Flügelchen sind modrig-braun, aber zwischen ihren Hälften ist ein grüner Samen voller Wachstumskraft. Es ist nicht eine einzige stachelige Igelkugel auf der Rosskastanie verblieben, aber auf dem Boden gibt es Tausende von glänzenden Glücksbringern zum in die Tasche stecken.
 
Grünfink auf Sonnenblumen-Kopf
 
Mausscheuern
Es werden aber nicht alle Kastanienkugel liegen bleiben und unter dem Baum auf den Frühling warten, um  ein grünes Näschen aus der glänzenden braunen Schale herauszustrecken. Einige werden bereits im Herbst Füße kriegen. Vier Füße. Aber diese Füße werden nicht an der Kastanie sitzen, sondern an einem kleinen graubraunen Fellknäuel. Vor allem die Birkenmäuse sind besonders mit dem Transport der Früchte von den Bäumen beschäftigt. Meine Nichte Maret fand eine enorme Vorratskammer der Waldbirkenmaus (Sicista betulina, auch Streifenhüpfmaus) zwischen den Stämmen des Bauernhauses von Künnapuu. So groß, dass beschlossen wurde, den Schatz zu wiegen. Das ganze Vorratsnest wog 5,7 Kilo. Es gab 4 Kilo Kastanien mit den Einkerbungen kleiner Zähnchen und 1,3 Kilo Haselnüsse. Wir können nur vermuten, dass auch die Mäusewelt die wirtschaftliche Rezession erschnuppert hat, und ebenso wie wir Esten Kartoffeln für den Winter horten, haben die Mäuse aus den letzten beiden schneereichen Wintern gelernt, ihre Scheuern zu füllen.
 
Vom Hagelrauschen zur Sonnenliebkosung
Das Wetter, das es schafft, binnen einer halben Stunde eine Vielzahl von Gesichtern zu zeigen, hat dem Zufußgehen ein Ende bereitet. Einen Augenblick lang scheint eine strahlende Sonne vom Himmel, im nächsten rauscht kalter Regen herunter oder eine tiefdunkle Wolke wirft einige Zentimeter Hagelkorn-Geschosse ab. Aber das ist nichts Überraschendes, sondern der Herbst ist so wie der Herbst immer war. Eine interessante Sache in diesem Herbst ist, dass unabhängig von der kühlen Witterung noch Mücken fliegen, und dass ein frierender Grashüpfer versucht zu zirpen. Von Zeit zu Zeit flattert sogar ein Nachtfalter durch den Abend. Die ersten Fledermäuse haben sich in den Keller begeben um zu schlafen, aber einige ziehen immer noch in der Nacht ihre Kreise, nur ein wenig Richtung Süden ziehend.
 
Wintergoldhähnchen ziehen
 
Schrill tönender Triangel
Die Zugunruhe setzt den Vögeln immer noch zu. Hauptsächlich ziehen laut zwitschernde Scharen von Wintergoldhähnchen. Zwischen ihnen flüchtet eine Gruppe von einem Dutzend Meisen Richtung Süden. Der Zug der Lerchen und Wildgänse ist auch noch nicht zu Ende, immer mal wieder hört man Lerchentriller oder Gänsegeschrei am Himmel. Es gibt in diesem Jahr viele Stare, aber ungewöhnlich wenig Drosseln. Die Möwen sind mit den Sturmwinden auf den Inlandsfeldern eingetroffen, hier und dort hockt eine Schar Kiebitze auf dem kalten Boden — kein Wunder, haben doch die klatschenden Regentropfen die Regenwürmer aus der von Nässe gesättigten Erde herausgetrieben. Ich warte sehnsüchtig auf das Sirren der Seidenschwänze, aber noch gibt es nur drei seidenschwanzähnliche Kernbeißer in unserer Hecke.
 
Tag der Winternächte
Irgendwie meinte ich vor einiger Zeit, dass sich alle Frösche bereits ins Winterquartier zurückgezogen hätten. Aber groß war meine Überraschung, als ein großer und gutgenährter Grasfrosch aus einer Schuppenecke auf meine Sandale starrte. Der Frosch war ebenfalls überrascht und watschelte flott die sonnige Asphaltstraße Richtung Süden zum Emajõgi Fluss. 
Der Freitag dieser Woche, der 14. Oktober ist der Tag des Gelbwerdens. Dann endet die Zeit des Lernens im Freien und der hellere Teil des Herbstes hat ein Ende. In den nördlichen Ländern wird der Tag auch der Tag der Winternächte genannt. Und tatsächlich ist die Zeit gekommen, in der man im Dunklen zur Arbeit oder zur Schule hastet, ebenso wie die Heimkehrzeit sich auf das entgegengesetzte Ende des Tageslichts zu bewegt.
 
Kastanien sind vom Baum gefallen
 
Blumengeschichte: Wärmender Fichtenmantel
In den alten Zeiten hatten die Fichten nur selten Zweige, aber einst geschah es, dass eine böse Stiefmutter ihre Stieftochter in der Mitte der Nacht aus dem Haus schickte, gerade als der Mann nicht daheim war. Und schlimmer noch, es regnete furchtbar in dieser Nacht. Das arme Kind fand nirgends ein Obdach, denn es gab keine Dörfer in der Nähe. Sie irrte im Wald umher, um etwas Schutz vor dem Wind zu finden; an mehr war gar nicht zu denken. Dann fand es eine große Fichte und verbrachte die Nacht unter ihrem Obdach. Die Fichte erbarmte sich des bedauernswerten Kindes und bot ihm Schutz. Bis dahin hatten Fichten nur selten richtige Zweige, aber seither hat sie große und dichte Zweige. Auch jetzt noch hat sie ein mitfühlendes Herz und bietet jedem Schutz, der bei ihr danach sucht. Wenn jemand die Kälte beklagt, so sagt man oft, er möge sich einen Mantel aus Fichtenzweigen holen, weil Fichtenzweige wie ein alter Pelzmantel sind.
 
    
Zitat:
„Alle Dinge werden im Herbst gelb...“ Juuru
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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