Erste Novemberwoche: wispernde Stille

Text: Kristel Vilbaste, loodusenaine@hot.ee
Fotos: Arne Ader
 
Junge Rehböcke im grauen Winterfell
 
„Schhhh hier ist schhhh niemand schhhh!“ wisperte ich in der Mitte des Waldes meinem Begleiter zu und von den kahlen Baumkrohnen hallte jedes meiner Worte zurück. Nur der funkelnde Regentropfen, der sich hartnäckig an dem knochenharten schwarzen Ast der Erle hielt, rann leise hinab. Der Aufprall des Regentropfens klang wie ein Kanonenschuss.
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche:
Balz der Krähen und Dohlen,
Frierender Löwenzahn,
Mücken
und Maulwurfshügel.
 
Ob es der fallende Regentropfen war oder meine Schritte, jedenfalls erschienen plötzlich zwischen den entfernt stehenden Bäumen im dichten Nebel schwarze Flügel ... und dann eine weiße Brust. Eine Elster! Kein einziges Keckern, auch sie schweigt in dieser tiefen Stille. Fachmännisch manövriert sie sich durch das Gewirr der Zweige und kommt vor lauter Neugier immer näher, und wirklich, nicht ein einziger Laut. Aber in einem Augenblick näher sich ein weiterer Schemen aus dem Nebel, eine weitere Elster erscheint im Wellenflug. Die erste setzt sich nieder und werkelt neben mir, pickt unter einem Häufchen Rinde und untersucht die Rindenrückseiten. Gleichzeitig sehe ich, wie mich das schwarze wachsame Auge beständig beobachtet. Der spätere Ankömmling jedoch starrt kühn auf das, was ich tu. Starrt direkt auf mein glanzäugiges Fernglas und ein Blick seiner Augen sieht mich an und sagt „Warum bist Du gekommen und wann wirst Du gehen?“ So sammle ich meine Sachen ein und verschwinde. Wasser spritzt unter meinen Stiefeln und ein zwitschernder Birkenzeisig-Schwarm stiebt hoch in die Luft. Wie hielten sie sich vorhin so ruhig in diesem Morgennebel?
 
Zug der Raubwürger hält an
 
Schweres Leben der Wölfinnen
Die schwierige Woche mit dem Umstellen der Uhr ist vorüber, für die Menschen ist sie nicht so leicht vergangen, vermischt mit herbstlichem Grau und der Seelenzeit schickte sie nicht wenige gute Menschensöhne und -Töchter in die Ewigkeit. Die Tiere wanderten statt dessen zum Selbstschutz ruhig zu ihren Schlafplätzen. Ein friedliebender Bär versuchte gar den Revierjägern im Meer schwimmend auszuweichen, aber dieses Mal scheiterte er. Ach ja, denn eine erneute Ruhnu-Bärenjagd*) zu unternehmen, daran würde unsere wirtschaftlich eingestellte Regierung nicht einmal denken. Wölfe klappern mit den Zähnen, senken sie in den Nacken eine herbstlich gemästeten Lammes – aber es gibt halt im Wald nicht viel zu holen. Es ist interessant, im Beobachtungsbericht des Wildtierforschers Peep Männik zu lesen, dass wir tatsächlich nicht so viele Wölfe in Estland haben, nur 20 Wölfinnen können in jedem Jahr an verschiedenen Orten Estlands Mutterglück genießen. Zusammen waren es im Herbst 207 Wölfe. Aber was wird aus ihnen im Winter werden, die Fuchsräude hat auch die Wölfe infiziert.
 
Speck! Speck!
Wenn die Tiere ein schönes Speckpolster unter ihrer Haut angesetzt haben, dann ist das Dasein der Meisen specksüchtig. Obwohl noch sehr viele Mücken, Fliegen und Nachtfalter herumfliegen, so ist doch ein Glied der Nahrungskette schwach geworden und verschwindet nach und nach in den Spalten der Rinden und friert sich in den Winterschlaf. Die Meisenschar sammelt sich bei den Häusern, pickt still an der Wandisolation Luftlöcher in die dicht verpackten Häuser, damit die Menschen, die sich in den Innenräumen verkrochen haben, nicht so einfach ersticken. Und eine kleine Portion Sonnenblumenkerne auf die Futterplätze herauszulegen ist keine Sünde. Auf meinem Balkon pickt mindestens eine glückliche Meise morgens und abends in der Dämmerung am Speck. Und es scheint, dass der Vogel glücklich ist. So auch ich. Der kleine Freund ist satt und hat ein glänzendes Gefieder.
 
Die Nadeln der Lärchen werden gelb
 
Mäuseohren an Bäumen
Die Pflanzenwelt ist so erstaunt wie die Menschen nach der Uhr-Umstellung. Die meisten der grünen Dinger haben sich in die Winterruhe begeben, aber nichts kommt, gibt es Frostfrieden? Kältefrieden? Sonne und Licht kommen von oben gerade so wie im Frühjahr und für einige aktivere Gewächse hängt die biologische Uhr recht schief. Bruder Enn berichtete, dass nahe Nigula die Birken bereits Frühlingsknospen tragen. Genug Blühendes schaffte es selbst in dieser Woche noch. Im Blumentopf an Aotähts Haus begannen die rosablühenden Erdbeeren fröhlich zu blühen, an einer Schnittrose trieb einen langen Spross heraus. Dennoch gibt es draußen Wintergefühle, ein farbenfrohes, noch am Baum hängendes Blatt ist eine Seltenheit, die Laubdecke auf dem Boden beginnt sich nach und nach zu zersetzen, zumindest die Regenwürmer fressen dies gern. In diesem dicken Blättermatsch haben die Eicheln rosa Sprossen angesetzt. Viel zu früh! Und auf der Jagd nach den rosa Regenwürmern türmen die Maulwürfe ihre Haufen noch höher auf.
 
Kräuselndes Wasser
Die Temperatur der Flüsse und Seen ist bereits auf 6-7 Grad gefallen, Menschen gehen nicht mehr ins Wasser. Desto ungestörter und glücklicher planschen die großen Fische im Wasser. Aber es ist nicht ratsam, einfach hinzugehen und dem Treiben der Fische zuzuschauen. Die Laichzeit der Lachse und Forellen wird von überzeugten Umweltaufsichtsbeauftragten überwacht und jede neugierige Person überprüft. Wettermann Gennadi Skromnov erzählt von einem Beobachtungsausflug zu künstlichen Laichplätzen, wo der Flussabschnitt im Verlauf von wenigen Stunden von 50 großen Meerforellen von jeweils nahezu zwei Kilo besucht wurde. Die Auserwählten tanzen ihren spritzenden Reigen paarweise. Einige kleinere Männchen beobachten ständig und gehen nochmals über die Laichkörner. Die Bachforellen und Lachse laichen ebenfalls.
 
Stockenten bleiben paarweise zusammen. Der Frühling ist nicht so fern ...
 
Blumengeschichte: Löwenzahn Liebes-Dreieck
Einst soll ein Löwenzahn sich in einen anderen verliebt haben. In der Nähe wuchs ein dritter. Der erste Löwenzahn verliebt sich nun in die neue Blume. Der zweite Löwenzahn wurde so wütend, dass sein Haar über Nacht grau wurde. Als am Morgen der Tau verschwand und ein laues Lüftchen wehte, flogen alle seine grauen Haare davon.
 
Zitat:
Der Insekten fressende Sonnentau, der in Mooren wächst, hat seinen Name daher, dass seine klebrigen Blätter den das Vieh hütenden Kindern zur Heilung zwischen die Lippen gesteckt wurden, wenn diese rissig wurden.
 
 
*) Zur Ruhnu-Bärenjagd: Am 11. April 2006 war auf der Insel Ruhnu ein Bär auf einer driftenden Eisscholle angelandet. Die Insel ist etwa 20 Quadratkilometer groß, hat weniger als 100 Bewohner; vor etwa hundert Jahren soll man dort Wölfe gesehen haben; in heutiger Zeit lebte dort neben Füchsen und Rehwild fünf Jahre lang ein Eber; die Leute wurden die aufgewühlten Felder und Gärten leid und so wurde er erschossen. Der Bär sollte mit Fisch zu einem Futterplatz gelockt werden, narkotisiert und zum Festland transportiert. 6 Jäger waren anwesend mit einem Hubschrauber für den Transport. Dem Bären gelang es, den Jägern zu entwischen bis sie am 4. Mai abreisten. Die Menschen von Ruhnu wollten den Bären fort haben, aber lebend. Stattdessen traf am 20. Mai ein Gruppe der estnischen Jagd-Vereinigung ein mit einem finnischen Bären-Hund, aber die Leute verhinderten ihre Jagd. Vom 2. Juni an wurde die Nordspitze der Insel für alle abgesperrt, die dort nicht wohnten. Man fürchtete, dass der Bär am Ende des Sommers, wenn er mit dem Anfuttern des Winterspecks beginnt, aggressiver werden würde. Während des Sommers kamen viele Touristen, um den Bären zu sehen. Im August waren wieder Jäger auf der Insel, ihn zu fangen. Sie waren nicht erfolgreich, aber man hat den Bären gesehen. Im März 2007 jedoch wurde offiziell verkündet, dass der Bär vermutlich zurück nach Lettland geschwommen sei (von woher er, DNA-Untersuchungen zufolge, gekommen sein soll). Im April 2007 schenkte der lettischen Schokoladenfabrikant Laima den Bewohnern von Ruhnu einen 36 kg schweren Schokolade-Bären, der im Dezember unter den Bewohnern aufgeteilt wurde.
 
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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