Erste Dezemberwoche: prickelnde Berührung

Text: Kristel Vilbaste, loodusenaine@hot.ee
Fotos: Arne Ader
 
Im Moor hat sich Eis gebildet. Kakerdaja Moor
 
„Tropf! Tropf! Tropf.“ Regentropfen treffen meine Nase. Der Regen ist nicht kräftig, nur ein nebeliger Schleier, aber er er verleiht den Erlenstämmen Glanz und dem Straußgras lockige Büschel. Der Wind bläst die angesammelten Nebeltropfen in mein neugieriges Gesicht.
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche:
Das aufmerksame Auge des Raubwürgers,
Weiße Hasen,
Erlen-Kätzchen
und Herbstdunkelheit.
 
Meine Neugier ist groß, ich schau hierhin und dorthin. Ich gebe einer Fichte meiner Größe die Hand und begrüße sie: „Wie geht es Dir? Würdest Du gern mit nach Tartu zum Heiligabend kommen? Möchtest Du uns ein harzduftendes Weihnachten bereiten?“ Nein, dieser Wuschelkopf ist noch nicht bereit, er sollte zu einer großen Fichte am Rande der Weide aufwachsen, unter deren Schutz die Kinder vor der Gewitterwolke flüchten können, wenn sie draußen sind, um Walderdbeeren zu sammeln. Aber seht! Weiter weg dort drüben am steilen Hang des Berges winken uns zwei benadelte Kameraden zu: „Nimm mich! Nimm mich!“ Die kleinen Fichten begannen ihr Dasein auf der steinigen Wunde des Ilmamägi-Berges – während der Zeit der Kolchosen kam jemand auf die verrückte Idee, Erde von hier zum Auffüllen des Kälberstalles abzutragen. Die Kolchose liegt inzwischen darnieder, der Kälberstall wird nicht mehr gebraucht, aber die Scharte im Hügel ist nicht verheilt, die kleinen Fichten versuchen, den Hügel zu bedecken, aber an solch steilem Hang kann ein kleiner Baum mit flachen Wurzeln nicht bestehen. Eine der kleinen Fichten wurde durch einen umgefallenen Erlenstamm beschädigt; ich beginne meine Verhandlung mit der dichter verzweigten. Und überraschenderweise hat die Fichte keine Einwände dagegen, ein Weihnachtsbaum zu werden. Wir werden Freitag vor Weihnachten zurückkehren! Ein kleinerer Baum an ihrer Seite wird noch mitkommen für den Tisch von Hans, den Eigner des Hofes von Ilmamäe und Hüter des Haines, um dem müden Mann vom Wald und der Erde zu erzählen. Und in einigen Tagen wird der kleine grüne Baum ihn bei der Überquerung des Toonela-Flusses unterstützen.
 
Gelb leuchtende Grasbüschel der Rasenbinse (Trichophorum cespitosum)
 
Niedriger als Gras
Der Wald ist jetzt bereit, auf den Frühling zu warten. Die  „Hungerkätzchen“, die Zapfen der Erlen, sind dick und fest, aber die eigentlichen Kätzchen sind ebenfalls bereits am Baum – kleine rote Würmchen an der Spitze jedes Zweiges. Es ist für mich immer wieder eine Überraschung, dass die neuen Kätzchen bereits Mitte Dezember erscheinen, auf eine warme Frühlingssonne wartend, um zu wachsen und die gelben fruchtbaren Pollen auszustäuben. Der Waldboden ist ebener und niedriger als Rasen. Die Grasnarbe ist schlicht nicht mehr da, sie ist zerbröselt, dicht auf dem Boden. Nur auf dem Maulwurfshaufen steht die Vogelmiere grün und an der Hauswand weiße Taubnessel. Doch an den feuchteren Plätzen stehen die Gräser mit ihren weißen Haarbüscheln, sind die Seggen jetzt wirklich wie Wuschelköpfchen. Aber die Fichten, ja die Fichten scheinen in diesem Jahr überhaupt keine Zapfen zu tragen; gerade nur ein paar mögen in den Zweigen versteckt sein für die Vögel. Und im Binnenland gibt es keine einzige kleine Vogelbeere.
 
Gieriger Raubwürger
Vermutlich hat der Ausfall der Vogelbeeren alle Drosseln dazu gebracht, in die Küstenregionen Estlands auszuweichen. Im Binnenland herrscht rechte Stille, wenn man das leise Gezwitscher der Wintergoldhähnchen außer Acht lässt. Nicht einmal die Spechte rufen noch. Im Sturmwind kann man Krähen und Elstern tanzen sehen, aber die Saatkrähen sind fort. Bruder Enn erzählt jedoch aufgeregt, dass es in Pärnumaa Scharen von Buchfinken gäbe und dass der Raubwürger sie aufmerksam verfolgt. Immer wieder sitze er an einem der Zugvögel pickend im Busch. Und es gäbe dort auch viele Drosseln. Von den Kleibern gäbe es so viele, dass ihre Rufe keinen Augenblick schweigen. Ein Grund dafür ist sicherlich die reichliche Futtermenge im Futterhäuschen, dass ein paar hundert Vögel aller möglichen Meisenarten zu seinen Kunden zählt.
 
Auerhuhn
 
Schneelicht
„Der Hase ist weiß und das Zimmer finster,“ erzählt Naturschützerin Kaja Kübar am Telefon. Sturmböen gingen wieder heftig über Pärnu und Mugilmaa hinweg und Eesti Energia, das — typisch für staatliche Unternehmen — vor Ort keine kompetenten Mitarbeiter mehr beschäftigt, hat es mehrere Tage lang nicht geschafft, die auf die Stromleitungen gefallenen Bäume zu finden. Daher leben wir, anders als der Rest Europas, immer noch in einer Ära, in der die Natur allmächtig ist. Umso interessanter ist es, die mächtige Natur zu beobachten. Der Schneehase ist jetzt tatsächlich weiß, nur die schwarzen Ohrenspitzen verbinden ihn mit der Erinnerung an die sommerliche Jahreshälfte. Die Weiße kann aber im herbstlichen Morast fatal werden. Mein Bruder fand ein getötetes Wiesel im leuchtendweißen Pelz an der Steinmauer. Die Treibjagd-Teilnehmer holen das Letzte aus dem Wald heraus, jetzt wo sie sich ziemlich nah an die Schutzgebiete herangepirscht haben, aber selbst die letzte Elche hetzen stattdessen in Panik auf die Autostraßen. Die Wildschweine sind noch nicht so von den Futterstellen abhängig, weshalb im Wildschwein-TV von Looduskalender.ee nur schmatzende Marderhunde zu sehen waren.
 
Das warme Meer ist die Mutter der Stürme
Die heraufziehenden Stürme kommen aus dem warmen Meer zu uns und sie werden anhalten, bis Eis unsere unmittelbare Umgebung bedeckt, aber das Meereswasser an unseren Küsten ist immer noch 6-7 Grad warm. Die Temperatur der Binnengewässer ist jedoch schon unter 3 Grad gesunken. Morgenfrost gab es hier bereits die ganze Woche, und der feine Regen, der niedergeht, neigt dazu, auf asphaltierten Straßen zu gefrieren. Und die Pfützen, die trotz des niedrigen Wasserstandes erstaunlich zahlreich sind, tragen manchmal zart knirschendes Eis bis zum Mittag. Aber auch im letzten Jahr fiel der Schnee von Donnergrollen begleitet auf ungefrorenem Boden nieder und blieb liegen. Wir werden sehen. Und vielleicht wird der Himmel am Samstag, den 10. Dezember, klar sein, so dass wir die totale Mondfinsternis sehen können.
 
Schmalblättrige Rohrkolben
 
Pflanzengeschichte: Die Bitterkeit der Drachenwurz
Der Urvater schuf die Sumpfcalla (Calla palustris, Drachenwurz) als Brotersatz. In grauer Vorzeit wollte ein Faulpelz nur von der Drachenwurz leben und sammelte große Mengen ihrer Wurzeln. Der Satan erfuhr dies, setzte sich auf des Mannes gesammelten Vorrat und verdarb ihn. Seit der Zeit sind die Wurzeln der Drachenwurz bitter und giftig. Der Mann jedoch begann zu arbeiten und stellte die Verwendung der Drachenwurz ein. Die Drachenwurz wächst nun in den Sümpfen und blüht im Sommer, ihre Blüte erinnert an die schöne Calla.
 
Zitat:
Wenn jemand Wunden oder Kratzer an seinem Körper trägt, dann ist es gefährlich, Bier aus Hopfen zu trinken – die Wunde könnte sich verschlimmern.
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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