Zweite Januar-Woche: Schnee weht in Augen und Mund

Text: Kristel Vilbaste, loodusenaine@hot.ee
Fotos: Arne Ader
 
Schneehauben auf Wasserdost (Eupatorium cannabium).
 
Eine Winterhälfte ist vorbei! Vorbei, tatsächlich vorbei. Aber jetzt geht er erst richtig los – mit Schneestürmen und -Verwehungen, starkem Frost und Tauwetter, knirschendem Schnee und Eiszapfen. Skier raus und ab in den Wald!
 
Die vier Wetterzeichen dieser Woche: 
Birkenzeisigschwärme,
Rattenparties in Landhäusern,
weiße Felder
und rieselnde große Schneeflocken.
 
In den Wald zu gehen ist nicht mehr so einfach, nach und nach sind rund 20 Zentimeter Schnee in Võrumaa gefallen, und plötzlich reicht dies, einem in die Stiefelschäfte zu kriechen und darin als Tauwasser herunter zu rieseln. Aber es ist immer noch seltsam, wenn man daran denkt, dass während des halben Winters es nur Schnee bis zur Stiefelhöhe gab. Vielleicht hat der frische Schneefall die Tiere verängstigt, oder es sind nur so wenige von ihnen übrig – aber bei Tammetsõõri führten nur die Spuren eines einzelnen flüchtenden Hasen über das Feld.
 
Unten am Bach ist ein Wildschwein über das Wasser gesprungen, aber man weiß ja nie, wie viele es wirklich sind, denn die Wildschweine laufen in der Regel in den Spuren des Vorgängers. Der Boden am Bach ist ohnehin noch nicht gefroren, die Wildschweinfährten haben sich mit Sickerwasser gefüllt. Am Rande der Weidenbüsche hatten Raben und Elstern eine Auseinandersetzung, es ging nicht um Futter, weil weder Federn noch Fell von irgendeinem Kadaver zu sehen sind. Und keine Rehspuren.
 
Die Rehrudel sind in diesem Jahr klein.
 
Auf den Weg dorthin sah ich drei Rehe etwas am Fahrbahnrand herum scharren, hier aber gibt es keine. Ausgehungerte Raubtiere mögen wahrscheinlich die letzten von ihnen geschlagen haben. Hier ist nur ein räubernder Fuchs auf dem Wanderweg den Spuren der Motorschlitten gefolgt. 
 
Wirbelnde Schar grauer Vögel
Im Binnenland ist der Wald tatsächlich wintervogelgerecht. Ein kleiner Schwarm Gimpel tummelt sich in den Baumwipfeln. Es gibt in diesem Jahr keine Beeren, aber es sieht so aus, als wenn die während des Tauwetters prall gewordenen Knospen gut als Delikatesse dienten. Laut zwitschernd fällt ein fünfzigköpfiger Schwarm von Birkenzeisigen in die Birkenkrone ein, aber sie sind so unruhig, dass sie beim Anblick eines Menschen schnell verschwinden. Wer weiß, was diese nördlichen Siedler geängstigt haben mag, die in der Regel keine Notiz von Menschen nehmen.
 
Birkenzeisige.
 
Von den Krähen finden sich nur Spuren im Schnee, kein einziger Ruf, wo ich doch sonst hier immer von ihrem Spektakel begrüßt werde.
 
Und auch die Spechte sind ganz still. Vielleicht liegt es daran, das das Wetter in dieser Woche sehr unbeständig war, dass ein Augenblick des Sonnenlächelns gefolgt wurde vom dichtem Flockengestöber eines Schneesturms. Bei diesem Wetter ist es sicherlich klüger, zu schweigen und in Spalten und Höhlungen zu bleiben.
 
Zizidäh!*
Die Stille des harten Winters wurde wiederum durchbrochen von den Kohlmeisen, bereits am 13. Januar verkündeten sie in Nordestland laut „Sitsikleit!‟. Genau, nur noch vier Monate bis zum Sommer, schreibt Anneli Kivisiv aus Tallinn: „In diesem Schneegestöber konnte ich es selbst kaum glauben, aber tatsächlich hörte ich am Morgen zum ersten Mal in diesem Jahr das Frühlingslied der Kohlmeisen! :) Sehr, sehr laut, so dass man es im Lärm der Stadt hören konnte.“
*In Estland rufen die Meisen „Sitsikleit‟, Sommerkleid, teilweise ein Lehnwort aus dem Deutschen.
 
Hier und da ertönt in Estland „sitsikleit" – das Frühlingslied der Kohlmeisen.
 
Tallinn hat ohnedies milde Verhältnisse wie in England – in jedem Parkwinkel kauert eine Amsel, und es ist keine Überraschung, wenn sie ihr kicherndes, gurgelndes Lachen an einem sonnigen Morgen loswerden, zudem gibt es viele Wacholderdrosseln. In Pärnumaa, in der Gemeinde Vändra, auf dem Gebiet der Dörfer Luuri und Pärnjõe, ging ein zum Fliegen zu schwacher Kranich nieder, traurig auf den Frühling wartend, der Mangel an Nahrung  durch den dichten Schneefall kann fatal für ihn werden. Elstern brachten den Frühling nach Tartu, auch jetzt, da ich diese Geschichte schreibe, erkletterte ein Weibchen ein altes Nest in meinem Garten, sich herumdrehend und eine lange Zeit niederlassend, das Männchen hielt sorgfältig hoch oben auf einem Ast Ausschau.
 
Adler in der Kamera
Die Adler-Kamera von Looduskalender.ee hat Fahrt aufgenommen. Die Adler schauen direkt in die Kamera. Wetterexperte Gennadi Skromnov sagt, dass das Eis sich kaum auf dem kleinen See gebildet hatte, als Futter dorthin gebracht worden war; die Krähen waren bereits vorher vor Ort, und die Adler hatten ein Auge auf diesen Platz gehabt. Aufregende Tage stehen bevor. Über die Wildschweinkamera sahen wir, dass die durch das Tauwetter geweckten Marderhunde nun wieder zur Winterruhe gegangen sind. Die Wildschweine bleiben schön im Kamera-Blickfeld und mampfen die von den Kindergarten-Kindern von Ilmatsalu gesammelten Eicheln, vermischt mit Getreide. Über die Kamera zur „Fünften Saison‟ kann man sehen, wie sich nach und nach in Soomaa Eis bildet. Die Ufer sind bereits gefroren und auf dem Wasser schwimmen Eisschollen. Fließende Gewässer sind überall eisfrei, ebenso größere Seen und das Meer. Kleinere Gewässer tragen bereits eine Eisdecke, aber das Eis ist besonders dünn – Vorsicht! 
 
Estlands Quellen:  Kuremäe-Quelle
Sieben Jahre lang kam das Trinkwasser meiner Familie vor allem aus der Quelle von Kuremäe. Nach einem anderen ähnlich klaren und belebenden Wasser muss man sonstwo in Estland suchen. Die Kuremäe-Quelle liegt fern in den Wäldern von Alutaguse, aber es lohnt sich, die Fahrt auf sich zu nehmen. Bei Kuremäe gibt es einen heiligen Hain, und eine Opferquelle am Fuße des Hügels. Heute ist die Quelle in ein gekacheltes kleines Becken eingefasst, wo jeder sich Trinkwasser in ein Gefäß füllen kann. Die Quelle ist gesegnet und das Wasser auch heilend, weshalb man sich respektvoll und still während des Besuches der Quelle verhalten soll, und bei der Wasserentnahme soll der Quelle eine Gabe gewidmet werden: eine Silbermünze wäre wünschenswert, eine Ein-Euro-Münze ist ausreichend.
 
Um ein Bad in dem belebenden Wasser zu nehmen wurde ein kleines Badehaus nahe der Quelle errichtet, wo jeder hingehen kann, auch wenn es bisweilen eine Warteschlange gibt. Das Bad in dem kalten Quellwasser vermittelt einen Schub an Energie, der mehrere Monate anhält. Es ist sicherlich auch wert, die heilige Eiche auf dem Friedhof auf der Hügelkuppe zu besuchen. Die Rinder der alten Eiche soll eine heilende Wirkung entfalten, aber leider hat die Eiche jedes kleinste Stückchen Rinde verloren. Das letzte von weiter oben herunter gefallene Stück fand ich vor 5 Jahren.
 
Vielen Dank an alle, die auf die Notiz geantwortet haben, nach Trinkwasserquellen zu schauen, und nach wie vor freue ich mich über Zuschriften an loodusenaine@hot.ee.
 
Zitat:
Am Tõnisepäev, dem St. Antonstag am 17. Januar, werden alle Jungen und Männer mit dem Namen Tõnn an ihrem Bett festgebunden.
Suure-Jaani
 
Übersetzung: Liis und Leonia


 

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