Vogelbeobachters Tagebuch — 13.6.12

Vogelbeobachter: Margus Otslinnuvaatleja.ee
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia

Blauracke
 
Heute wurde eine ziemlich gründliche Suche nach der Blauracke (Coracias garrulus) organisiert. Die Art ist hier in Estland während des vergangenen Jahrzehnts besonders selten geworden, regelmäßig nisteten in Valgamaa an der lettischen Grenze nur wenige Paare, aber in den letzten paar Jahren wurde sie nicht einmal dort mehr gefunden. Im vergangenen Jahr gab es für ganz Estland nicht einmal verlässliche Sichtungen. Noch trafen von den alten Nistplatzen irgendwelche Berichte ein. Ich durchsuchte ein relativ großes Gebiet von Valga bis Krabi, aber wie befürchtet wurde kein blauer Vogel identifiziert. Traurig, wenn eine einst recht zahlreiche und weit verbreitete Brutvogelart bei uns verschwindet. Falls irgendjemand eine Blauracke irgendwo bemerken sollte, dann seien Sie bitte so freundlich und lassen es die Estnische Ornithologische Gesellschaft wissen.
Die Tour nach Valgamaa war jedoch nicht ganz ohne Punkte. Auf den Ländereien der Pfarrei Taheva fand ich endlich den Schwarzstorch  (Ciconia nigra) für meine 2012er Jahresliste. Erstaunlich, dass ich an diese Art nicht früher kam, alle aktiven Vogelbeobachter haben ihn vor längerer Zeit gesehen. Der Schwarzstorch ist die 263. Art auf meiner Jahresliste und dies ist jetzt auch mein neuer Jahresrekord. Vor zehn Jahren (2002) sah ich insgesamt 262 Arten während des ganzen Jahres, was auch bis 2009 estnischer Rekord für die Anzahl Vogelarten war, die in einem Kalenderjahr gesehen wurden. Wenn so viele Arten bereits in einem halben Jahr zusammengetragen wurden, könnte man erstmals einen Blick darauf richten, sogar 300 Arten im Jahr zu sichten. Mutmaßungen sind möglich, aber so einfach ist es nicht. Ich habe bereits alle „sicheren‟ arten gesehen und nur Raritäten können nun noch hinzugefügt werden. In der zweiten Jahreshälfte könnten bis zu 10 Arten hinzukommen, aber nicht wirklich 30 oder mehr. 300 Arten im Verlauf eines Jahres in Estland wurden noch nicht einmal bei der Gesamtauswertung aller Vogelbeobachter miteinander erreicht.
Für den Abend hatte ich geplant, Setomaa zu erreichen, wo ich dann die alten Reviere des Buschspötters (Iduna caligata) durchsucht hätte. In Estland nistet die Art bereits seit 10 Jahren im Obinitsa-Meremäe-Gebiet, aber Lettland hat den Buschspötter erst in diesem Jahr auf seine Jahresliste bekommen. Weil verschiedene Abkürzungsstrecken durch Lettland führen, entschied ich mich, ein wenig mehr im nordöstlichen Lettland zu schauen und wenn möglich einige neue Buschspötter-Reviere zu finden. Buschspötternester in unbestellten Wiesen und Feldern, die anfangen, von Sträuchern überwuchert zu werden. Letztes Jahr durchsuchten wir das Aluksne-Gebiet, aber es war kein geeigneter Lebensraum sofort erkennbar. Nun richtete ich mich aus zur nord-östlichen Ecke Lettlands, die Pededze (Pedetsi) Region. Östlich de Pedetsi-Fluses begann die Sache viel versprechend auszusehen, das heißt, es gab eine Anzahl geeigneter Habitate für Buschspötter. Zu Beginn fuhr ich eine Weile herum in der Absicht, für meinen Rückweg nach den besten Stellen zu suchen. Aber der Ausflug zu den Buschspöttern endete unverhofft. Plötzlich traten lettische Grenzsoldaten auf und fragten, was ich hier beobachtete. Es war offensichtlich eine große Überraschung für sie, dass jemand nur Vögel beobachtete. Ein Fremder mit Fernglas, Spektiv und Kamera schien besonders suspekt. Wie auch immer, zu meiner Überraschung wurde ich um die Vorlage der Genehmigung gebeten, mich in diesem Gebiet aufzuhalten. Ich wurde belehrt, dass ich mich in einer Grenzzone befinde, und dass hierfür eine schriftliche Genehmigung notwendig sei (dies gilt jedoch für die russische, nicht für die estnische Grenze). Die Angelegenheit erinnerte an andere Zeiten und einen anderen Staat, aber vielleicht dauern diese Dinge in Lettland noch fort wie früher. In Estland dürfen die Grenztruppen die Papiere prüfen, aber keine Genehmigung wird benötigt, schon gar nicht in schriftlicher Form. Ich war nicht sehr scharf darauf, mit den Grenzern zu debattieren, weil alle Angaben festgehalten wurden und man mich belehrte, dass falls ich wieder im Grenzbereich gesehen würde, ich letztlich 250,- könnte zahlen müssen. Konkret wurde ich aus dem Grenzareal hin zur größten Straße geführt, was leider bedeutete, das ich nicht zurück zu der Straße konnte, auf der ich herkam, und um die Grenzstation  Rammuka zu erreichen, musste ich einen Umweg von mehreren zig Kilometern fahren. Nach all dem Ärger verlor ich den Geschmack an lettischer Vogelbeobachtung und werde mich in Zukunft auf die estnische Jahresliste konzentrieren.


 

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