Medizinische Fallgeschichte des Storchenjungen

 Web-Kamera-Bild: Lucy, LK-Forum
Übersetzung ins Englische: Liis
Vom Englischen ins Deutsche: Leonia
 

Am Montag war die Familie noch beisammen.
 
Am Freitag war Renno Nellis in Läänemaa, um die Schwarzstorchenjungen zu beringen, zu messen und zu wiegen. Am Schnabel eines der Storchenjungen war eine kleine Verletzung zu sehen. Bei der Fütterung sind die sonst so friedlichen Jungen ziemlich aggressiv – „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – und es kann alles mögliche passieren. Am Sonntag zeigt das Bild der Kamera bereits eine ernstere Verletzung. Urmas Sellis vom Adler Club und Dr. Madis Leivits fuhren nach Läänemaa um die Situation zu prüfen und zu beurteilen, ob das Storchenjunge medizinische Behandlung benötigt.
 
Es zeigte sich, dass wir es mit einem ernsten Problem zu tun hatten, und dass ein chirurgischer Eingriff notwendig wurde, der im Horstwald nicht durchgeführt werden konnte. Das Junge wurde ins Institut für Veterinärmedizin und Tierwissenschaften in Tartu gebracht. Ankunft war um Mitternacht, der Bruch wurde untersucht, gesäubert und der Unterschnabel geschient. Das Junge wurde gefüttert, ihm wurde schmerzstillende Mittel und Antibiotika gegeben, ebenso eine Behandlung gegen Parasiten – bei dem Jungen wurden Parasiten gefunden, aber sie sind typisch für nahezu alle estnischen Schwarzstörche.
 
Heute morgen wurde das Junge gefüttert, eine Blutprobe wurde genommen, Medikamente verabreicht und ein Behandlungsplan aufgestellt. Der Schnabel sollte gegen Mittag operiert werden. Dr. M. Leivits wird seinen Kollegen am Virginia Wildlife Center, Dr. Dave McRuer, konsultieren und den Orthopäden unserer Universität. Madis Leivits hat Erfahrung mit ähnlichen Fällen und eine Vorstellung, wie der Schnabel zu fixieren ist. Der Eingriff wird unter Narkose vorgenommen, damit das Storchenjunge nicht an Stress durch den Eingriff leiden muss, was den aus der Natur stammenden Patienten umbringen könnte.
 
Das Blutbild zeigte einen erhöhten Anteil an Eosinophilie, die durch die Parasiten verursacht sein könnte, aber der Allgemeinzustand des Jungen war gut. Die größte Sorge ist, das das Junge beginnt, das zu zerstören, was am Schnabel angebracht wird. Im besten Fall würde der Patient die Befestigung akzeptieren; in diesem Fall wäre nichts weiter notwendig, um den gebrochenen Teil des Unterschnabels zu fixieren. Im schlimmsten Fall müsste der Oberschnabel ebenfalls fixiert werden und es müsste eine Magensonde in die Speiseröhre eingeführt werden.
 
Häufig jedoch ist das Ergebnis nicht von unserem Wollen und unseren Fähigkeiten abhängig, sondern von der Bereitschaft des Tieres zur Mitwirkung.
 
Madis Leivits
email: madis@elfond.ee
skype: madis.leivits
www.elfond.ee


 

EST EN DE ES RU  FORUM

       

Die Woche im Bild

Nachrichtenarchive