Erster Beleg einer „Vogelsprache“ kommt von Meisen

Eingereicht von Looduskalender - Di., 22.03.2016 - 20.41
Autorid

Text Marko Mägi

Foto Wikimedia

Übersetzung ins Englische Liis

Vom Englischen ins Deutsche Leonia

Ida-rasvatihane

Japanische Meise

Textkörper

Wir wissen, dass die menschliche Sprache aus verschiedenen Vokalelementen (Lauten) besteht, die zusammengesetzt Wörter miteinander bilden,  die wiederum Sätze bilden. Tiere interagieren ähnlich: zum Beispiel haben sich unter Vögeln und Säugetieren spezifische Raptoren-Warnrufe entwickelt. Es war bisher jedoch nicht bekannt, ob Tiere Kombinationen von Rufen verwenden, um eine Nachricht komplexeren Inhalts zu übermitteln.

Im Verlauf eines Experimentes in Japan wurde belegt, dass außer Menschen auch andere Lebewesen eine Syntax oder Satzstruktur verwenden. Vögel der Meisenfamilie, Paridae, nutzen häufig die „tsi-tsi“- or „tsi-tsi-tsiiii“-Strophen. Diese bestehen aus verschiedenen Lauten (A, B, C, D), die in der Kommunikation zwischen den Vögeln über Nahrungssuche und Warnung vor Räubern, aber auch in alltäglichen Nachrichten verwendet werden.

In der Studie wurde eine Antwort auf die Frage gesucht, ob die Laute in den Rufen der Japanischen Meise Parus minor eine bestimmte Bedeutung unabhängig voneinander haben und ob bei der Kombination die Laute eine Bedeutung mit Bezug auf den Inhalt (Syntax) erhalten. Um die Geheimnisse der Struktur der Vogel-„Sprache“ aufzudecken, wurden den Meisen drei verschiedene Rufe vorgespielt: ABC, D, ABC-D und D-ABC und die Reaktionen der Vögel darauf wurden beobachtet. Es stellte sich heraus, dass die Meisen auf die Rufe hin unterschiedlich reagieren: Bei den ABC, D und ABC-D-Rufen zum Beispiel studierten die Meisen ihre Umgebung, schauten nach links und rechts und näherten sich dem Lautsprecher, aber all diese Aktionen wurden von ihnen je nach dem vorgespielten Ruf kombiniert. Zum Beispiel im Falle des ABC-Rufs suchten die Vögel die Umgebung nur den Kopf horizontal drehend ab und im Fall des D-Rufs näherten sich die Vögel häufig dem Lautsprecher. Beim ABC-D-Ruf beobachteten die Vögel die Umgebung aktiver als nur beim D-Ruf, und näherten sich dem Lautsprecher häufiger als nur beim ABC-Ruf. Beim Hören des D-ABC-Rufs beobachteten die Vögel ihre Umgebung nicht so aktiv wie im Falle von ABC-D, und nur selten näherten sie sich dem Lautsprecher näher als 2 Meter.

Wenn sich ein Räuber nähert, rufen die Meisen „tsää-tsää“ oder „tvää-tvää“, was aus einzigartigen Lauten besteht. Die Laute A, B und C werden in der Regel miteinander kombiniert (zB AC, BC, ABC), aber der Laut D wird regelmäßig mit 7 bis 10 Lauten kombiniert und manchmal auch, wenn es keine Bedrohung gibt. Wenn sich jedoch ein Räuber nähert, wird der D-Laut häufig mit anderen Lauten genutzt mit dem D-Laut am Ende des Rufes (zB Rufe  AC-D, BC-D oder ABC-D). So wird der Laut D sowohl in normalen Situationen als auch im Fall von Gefahr verwendet, wo er die Bedeutung der ABC-Kombination verändert und dem an andere Meisen gerichteten Warnruf eine besondere Räuber-Bedeutung verleiht.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombinationen (Syntax) der Laute der Japanischen Meise eine klare Bedeutung haben. Die Tatsache, dass die Meisen nicht auf Rufe reagierten, die Rückwärts abgespielt wurden (D-ADC), belegt, dass die Reaktionen der Meisen von der Reihenfolge der Laute abhängen, nicht an Lauten, die zeitnah zueinander gehört werden.

Eine komplexe Syntax zu nutzen ist keine einzigartig menschliches Entwicklungserbe, und alle, die versuchen, Vogelrufe nachzuahmen, mögen den Vögeln recht dumm erscheinen – es ist eine Sache, zu wissen, wie man den Laut erzeugt, eine ganz andere ist es, ihn zur richtigen Zeit und im richtigen Zusammenhang zu nutzen!

Suzuki, T. N. et al. 2016. Experimental evidence for compositional syntax in bird calls. Nature Communications 7:10986 doi: 10.1038/ncomms10986

Wissenschaftliche Informationen des Jahres der Kohlmeise werden herausgegeben von Marko Mägi

marko.magi@ut.ee

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