Ist die Weidenammer die Nächste, die das Schicksal der Wandertaube erfährt?

Eingereicht von Looduskalender - Sa, 04.11.2017 - 00.58
Autorid

Linnuvaatleja news, www.linnuvaatleja.ee

Übersetzung ins Englische: Liis

Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Brit

 

Estnischer Text gepostet am 30.10.2017

 

Textkörper

Die Wandertaube (Ectopistes migratorius), die im 19. Jahrhundert in Nordamerika gelebt hat und deren Scharen aus mehreren Milliarden Vögeln bestanden haben, war wahrscheinlich die zahlreichste Vogelart der Welt.

Obwohl das Aussterben der Wandertaube unmöglich erschien, erfolgte die Vernichtung der Art in nur einigen Jahrzehnten durch gedankenlose Jagd und der Zerstörung ihres Lebensraums – Wälder. Die letzte Wandertaube im Käfig starb 1914.

Was der Wandertaube passiert ist zeigt, dass selbst sehr zahlreiche und weitverbreitete Arten genau beobachtet werden sollten, wenn die ersten Anzeichen von Gefahr auftauchen.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war die Weidenammer (Emberiza aureola) noch eine sehr zahlreiche Art, deren Brutgebiet von Finnland bis in den Fernen Osten reichte. In sibirischen Gebieten war sie wahrscheinlich eine der häufigsten Brutvögel unter den Singvögeln.

Die ersten Anzeichen, dass die Anzahl der Art zurückgegangen war, kamen in den 1990-iger Jahren aus Japan. Im Moment ist die Zahl der Weidenammern wahrscheinlich um bis zu 95% zurückgegangen. Die Weidenammer ist vollständig aus Finnland, Weißrussland, der Ukraine und großen Gebieten der europäischen Teile Russlands verschwunden.

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Weidenammer / Foto Madina Arystanova (wikimedia commons)

 

Die Hauptursache für den Rückgang der Anzahl der Weidenammern kann mit denen der Wandertaube verglichen werden. Die Weidenammer zieht auch in großen Scharen und die versammeln sich für die Nacht in enormen Scharen, die leicht zu jagen sind. Während früher die Weidenammer als Nahrung in einem recht kleinen Gebiet im südlichen China gefangen wurde, hat sich das mittlerweile zu einem Massenbetrieb in einem sehr großen Gebiet geändert, was wiederum zu einer Abnahme der Anzahl von anderen Ammerarten, die in Asien leben, geführt hat.

Obwohl es in China seit dem Jahr 1997 verboten ist, die Weidenammer zu fangen, gehen die Wilderei und der Handel mit den Vögeln auf dem Schwarzmarkt genauso wie vorher weiter. Zusätzlich werden Weidenammern zum Ausstopfen gefangen, da nach einem Glauben ein gefüllter Vogel Glück für das Heim bringt und auch als Käfigvogel in Tempelritualen freigelassen wird. All das obige, zusammen mit der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Verschwinden von geeigneten Lebensräumen in den Überwinterungsgebieten – Schilfgebiete – haben die Weidenammern an den Rand des Aussterbens gebracht.

Im Moment steht die Weidenammer auf der Roten Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur in der Kategorie für stark gefährdete Arten.

Das Internationale Schutzprogramm für die Weidenammer sollte 2019 fertig sein. Dieses Jahr hat China Maßnahmen für den Schutz der Weidenammer und andere durchziehende Singvögel ergriffen, die Schutzgesetze aktualisiert und verboten geschützte Arten zu essen. Ein entscheidender Punkt zum Erfolg ist jedoch das Bewusstsein der Menschen zu erhöhen – die Vögel nicht als Nahrung zu nutzen und jede Art von ungesetzlichem Verhalten zu melden.

In Estland wurde die Weidenammer insgesamt 3 Mal gesehen, das letzte Mal 1984 und in Anbetracht der Geschichte der Art ist es unwahrscheinlich dass sich die Weidenammer noch einmal hierher verirrt.

 

Weitere Informationen:
BirdLife International 17.10.2017 Ist die Weidenammer die nächste Wandertaube?
Infos über die Weidenammer auf der BirdLife International Homepage.

Margus Ots
info/at/linnuvaatleja.ee