Alle kennen das Reh

Eingereicht von Looduskalender - So., 29.01.2017 - 22.55
Sisu
metskits
Die alten Esten nannten das Reh „kaber“, heute ist dieser Name vergessen und stattdessen „kits“, Ziege, wurde aus der deutschen Sprache entlehnt. Aber das Reh, metskits „Wald Ziege“ ist keine Ziege sondern ein kleines Reh. Die Ziege gehört zur Familie der Bovidae und ist eine Verwandte von Schaf und Bovines, das Reh ist ein Reh wie der Rothirsch und der Elch.
Foto: Tarmo Mikussaar
 

geposted vom Tier des Jahres Team  02.01.2017
 

Im Gegensatz zum Reh, lebt unser Tier des Jahres 2016  sein Dachsleben verdeckt und erscheint ganz selten vor den Augen von Menschen. Den größeren Teil seines Lebens, einschließlich des größten Teils des Winters, verbringt er in seinen Höhlen, wird nur bei Dämmerung aktiv. Ich nehme an, dass viele, wahrscheinlich sogar die Mehrheit meiner Landsleute, noch nie einem Dachs in freier Natur begegnet sind und ihn nur von Naturbildern und Filmen kennen. Das ist ganz anders mit dem Tier des Jahres 2017 – diese Art ist weithin bekannt. Sogar Stadtkinder haben es in freier Natur getroffen und kennen seinen Namen. „Reh, wer kennt das nicht!“ Manchmal wird es einfach „kits“ genannt. Das wurde schon am Anfang unserer Geschichte besprochen. Erstens ist das Wort ‚“mets-„, Wald, was die Hälfte des Namens „metskits“ ausmacht, etwas irreführend: das 2017 Tier des Jahres meidet große Waldgebiete, bevorzugt eher Mosaiklandschaften als Lebensräume. Aber das ist nicht alles. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass es keine „kits“ , Ziege, ist, sondern ein kleines Reh. Ziegen gehören zur Familie der Bovidae, wie Schaf und Kuh, die „metskits“, Rehe, gehören jedoch zur Familie der Cervidae und sind mit Rothirsch und Elch verwandt. Echte Ziegen haben hohle Hörner, die das ganze Leben an Ort und Stelle bleiben und nur größer werden. Das Geweih der Cervidae ist unterschiedlich – nur Männchen tragen eines und sie werden jedes Jahr erneuert. Das Reh hat auch einen anderen estnischen Namen – „kaber“, was heute jedoch kaum mehr benutzt wird. Wir wissen nicht, warum es in Vergessenheit geriet. Vielleicht weil diese Art für mehrere Jahrhunderte von estnischem Boden verschwunden war. Es zog sich Richtung Süden zurück, während der sehr kalten Periode die vom 16. – Ende des 19. Jahrhundert andauerte und manchmal sogar die Kleine Eiszeit genannt wurde. Mit Rückkehr der Klimaerwärmung kehrte es nach Estland zurück, sogar sein Name war hier vergessen und der Neuankömmling wurde mit einem deutschen Namen benannt, da die Sprache damals in Mode war. Auf Deutsch, „das Kitz“, bedeutet ein Reh Kind und um ehrlich zu sein klingt es ganz nett. Wenn die Art jetzt unser Land erreicht hätte, könnte es mit der gleichen Logik den englischen Namen „roe“ haben. Zugegeben dass diese Diskussion etwas spekulativ ist, vielleicht hat die Akzeptanz des neuen Namens andere Gründe. Es stimmt allerdings, dass einer der berühmtesten Biologen und der Pate vieler Arten, Carl Linné, dieser kleinen Kreatur den Namen Capreolus capreolus gegeben hat, das übersetzt hieße „Kleine Ziege Kleine Ziege“. Ich würde mit so einer prominenten Autorität nicht streiten wollen. Bleiben wir einfach beim „metskits“ , „Wald Ziege“, doch erinnern wir uns daran, dass es biologisch nicht korrekt ist. So ist der Name des Tieres „metskits“, Reh; das Männchen heißt „sokk“, Rehbock, das Weibchen „kits“, Reh und die Jungen bis zu einem Jahr „tall“, Kitz.

Hier machen wir eine kurze Pause und fahren im nächsten Reh-Artikel über sein Geweih fort, das genau jetzt zur Jahreswende wieder langsam anfängt zu wachsen.

Tiit Randveer

 

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